Kompetenzzentrum und Bestandsmanagement für den Wolf

Der Ende 2020 ergangene Beschluss des Bundestages zur Einrichtung eines nationalen Kompetenzzentrums „Weidetierhaltung und Wolf“ bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Bonn im Jahr 2021 wird von einem bundesweiten Bündnis aus elf Verbänden aus Landwirtschaft und Nutztierhaltung, Jagd sowie Natur- und Tierschutz begrüßt. Auch das Verbändebündnis sieht es als dringend notwendig an, die vielfältigen Erfahrungen mit Herdenschutz in den unterschiedlichen Wolfsregionen Deutschlands auf Bundesebene institutionell zusammenzuführen und hat dazu ein Konzeptpapier für ein nationales „Herdenschutzzentrum“ vorgelegt. Unabhängig davon wird ein aktives Wolfs- bzw. Bestandsmanagement gefordert.

Nach Auffassung des Bündnisses kann Herdenschutz Wolfsrisse weitgehend verhindern, wenn er fachlich korrekt ausgeführt wird. Herdenschutz sei jedoch komplex: Da keine Region und keine Weide gleich ist, müssen sich die Maßnahmen immer an den Gegebenheiten vor Ort orientieren. Der Erfahrungsaustausch sei dabei unverzichtbar.

Der Bundestagsbeschluss sieht eine Finanzierung des Zentrums für 2021 mit 300.000 Euro vor. „Dies ist ein Anfang, jedoch kaum ausreichend, um eine so komplexe Thematik wie Herdenschutz fachlich abzudecken. Zudem wird zugunsten der Einrichtung des Zentrums ein anderes Herdenschutzprogramm des Bundes gekürzt“, erklärt das Bündnis und macht in einem eigenen Konzeptpapier konkrete Vorschläge zur Ausgestaltung des Zentrums. Als Eckpfeiler werden darin genannt: Forschung, der offene Austausch, die Einbeziehung der betroffenen Gruppen sowie Schulungen und Qualifikation für Berater*innen der Bundesländer, an die sich Weidetierhalter*innen jeweils wenden können.

Nach dem Haushaltsplan für 2021, in dessen Rahmen das Zentrum beschlossen wurde, soll das Herdenschutzzentrum auch Daten zu Wolfsvorkommen erheben. Für die Verbände ist das nicht nachvollziehbar, da diese Aufgabe bereits von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) zuverlässig erfüllt wird. Eine Doppelzuständigkeit verursacht unnötige Kosten und könnte zu Verwirrung führen.

Zusätzlich Wolfsmanagement erforderlich
Auch der Ökoverband Biopark begrüßt die geplante Einrichtung des Kompetenzzentrums, fordert darüber hinaus aber ein verbessertes Wolfsmanagement. „Wir begrüßen es, dass die Weidetierhaltung in den Fokus des Bundeslandwirtschaftsministeriums gerückt ist. Die Weidetierhaltung in Deutschland kann jedoch nur erhalten bleiben, wenn es auch ein Wolfsmanagement gibt.“ Die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht und eine aktive Bestandskontrolle wie z.B. in Finnland und Schweden ist zu überprüfen. Falls der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen werden sollte, müssen noch weitere Konsequenzen bedacht werden“, erklärt dazu die Biopark-Geschäftsführerin Dr. Delia Micklich.

Unterdessen haben laut Agra Europe die Agrar- und Umweltpolitiker der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD in einem Brief aufgefordert, den Weg für ein effektives Bestandsmanagement für den Wolf frei zu machen. „Die stetige Zunahme der Wolfspopulation stellt unsere Weidetierhalter jedes Jahr vor stärkere Probleme, denn die Wolfsübergriffe auf Nutztiere nehmen kontinuierlich zu“, erklärte laut Agra Europe dazu der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Michael von Abercron.

Und in Niedersachsen will Umweltminister Olaf Lies (SPD) laut NDR1 zur Versachlichung-der Debatte um Wolfsabschüsse ein wissenschaftliches Gutachten in Auftrag geben, um klären zu lassen, ob angesichts der vorhandenen Einzeltiere, Paare und Rudel Wölfe in Deutschland überhaupt noch so umfassend geschützt werden müssen.

04.01.2021
Von: FebL

Diese Verbände haben das Konzeptpapier für ein nationales „Herdenschutzzentrum“ vorgelegt.