Ausstieg aus der Käfighaltung in Tschechien – Kuchen- und Nudelhersteller auf der Suche

Käfigeier sind in Deutschland praktisch seit ca. 10 Jahren ausgelistet. Damals hatten Aldi und im Schlepptau alle andere Einzelhändler Schaleneier mit der Käfighaltungsstufe 3 nicht mehr angeboten. In kurzer Zeit waren Käfigeier aus den Geschäften des Einzelhandels verschwunden. Und viele Bauern konnten und mussten sich auf andere Haltungsformen umstellen. Seitdem hat sich in der Hühnerhaltung einiges verändert. War in den 1980/90er Jahren selbst auf Bauernhöfen die Käfighaltung weit verbreitet, änderte es sich allmählich. Heute werden etwa 60% der 42 Mio. Hühner in Bodenhaltung, 21% in Freiland- und 14% in Biohaltung und nur noch 5% in ausgestalteten Käfigen gehalten.

Diese Verbesserung der Legehennenhaltung gilt für die Schaleneier, aber nicht für die Eier, die in die Verarbeitung z.B. für Nudeln oder Kuchen gehen. Hier werden nach wie vor Käfigeier aus anderen europäischen Ländern bevorzugt. Damit verbinden auch Geflügelfunktionäre immer ihre Ablehnung von besseren Tierschutzstandards in Deutschland. Das würde die einheimische Produktion vertreiben in Länder mit geringeren Tierschutzauflagen.

Käfighaltung dominiert in der EU
Tatsache ist laut einer meldung von agra-europe, dass in der EU nach wie vor ca. 50% der Hühner in Käfigen aufgestallt sind, während 32% in Bodenhaltung, 12% in Freiland stehen. 6% werden ökologisch gehalten. In Österreich, Luxemburg, Schweden und vor allem Deutschland, dem größten Eiererzeuger der Union, ist diese „tierquälerische“ Form weitgehend abgeschafft. Dagegen dominieren die Käfige in Polen mit 82%, Spanien mit 77% und auch in Frankreich mit 54%.

Einer der Hauptlieferanten deutscher Verarbeitungseier ist seit Jahren Tschechien, wo 74% der 6,7 Mio. Legehennen in Käfigen stehen. Und dieses östliche Angrenzland steigt nun spätestens 2027 aus der Käfighaltung aus. Auch ausgestaltete Käfige seien nicht tiergerecht, erklärte der Senat als Begründung. Außerdem hätten große Einzelhandelsketten wie Kaufland in Tschechien Selbstverpflichtungen unterzeichnet, ab 2025 keine Käfigeier mehr zu verkaufen. Der tschechische Agrarminister Toman lehnt dieses Verbot ab, weil heimische Erzeuger gegenüber Importen aus Polen und dem Baltikum benachteiligt würden.

Die deutschen Kuchenhersteller wie Dr. Oetker und Nudelproduzenten werden sicherlich andere Lieferanten finden. Sie stützen damit die zweifelhafte Haltung in der EU. Deshalb müssen Bauern und Tierschützer weiterhin darüber nachdenken, wie sie über eine Kennzeichnung und/ oder durch Aufklärungsarbeit der Verbraucher im Stile der alten Kampagne „Kein Verarbeitungsei mit Käfigstufe 3“ die Bedingungen für eine EU-weite Legehennenhaltung endlich breit verbessern.

14.12.2020
Von: hg

Käfighaltung. Foto: Laves Niedersachsen