Schweinehalter und Tierschützer einig gegen Schweinestau

Eine weitere Vergrößerung des Rückstaus von Schweinen in Mast- und Aufzuchtbetrieben muss nach Ansicht des Deutschen Tierschutzbundes (TSchB) „kurzfristig und mit vereinten Kräften unter anderem durch die Wiederherstellung des normalen Arbeitsbetriebs in Schlacht- und Zerlegeunternehmen verhindert werden - immer unter Berücksichtigung des Arbeitsschutzes und der Hygieneregeln“. „Genau richtig!“ So lautet dazu der Kommentar der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) „Die Lage in den schweinehaltenden Betrieben spitzt sich immer weiter zu. Um hier gegenzusteuern, muss die höchstmögliche Auslastung aller Schlachtkapazitäten in Deutschland, natürlich unter Berücksichtigung des Infektionsschutzes, ermöglicht werden. Das ist Nothilfe für die Bauern und deren Tiere“, so die ISN, die auch auf den Tierschutzverein Düsseldorf verweist, der sich gegen das Blockieren von Schlachthöfen durch Tierschutzaktivisten ausspricht, da dieses zusätzlich „unnötiges Leid“ schaffe.

Der Schweinestau baut sich immer weiter auf – nach aktueller Kalkulation der ISN warten derzeit ca. 570.000 Schweine auf die Schlachtung und dieser Überhang wächst weiter. Jede Woche kommen laut ISN 30.000 – 60.000 zusätzliche Schweine zum bestehenden Stau dazu. In den schweinehaltenden Betrieben spitzt sich die Lage immer weiter zu, weil die Stallplätze nicht frei werden. Spätestens in sieben Wochen – zu Weihnachten - droht nach Ansicht der ISN die nächste Eskalationsstufe, weil dann mehrere Schlachttage bedingt durch die Feiertage wegfallen. Als „Nothilfe für die Bauern“ fordert die ISN den nordrhein-westfälischen Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) zur Aufgabe seiner Blockadehaltung gegen ein vollumfängliches Hochfahren der Schlachtkapazitäten im Tönnies-Schlachthof in Rheda auf, Kapazitäten, die mitentscheidend für das Ausmaß des Schweinestaus seien.

Auch der TSchB sieht in den durch Corona eingeschränkten Schlacht- und Zerlegekapazitäten und zusätzlich in der Afrikanische Schweinepest (ASP) die akuten Auslöser für den Schweinestau. Maßnahmen, wie die von Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) geforderte Schlachtung an Wochenenden und Feiertagen lösten das Problem jedoch nicht langfristig. Dazu sei eine Abkehr vom nicht krisensicheren System der Schweine-„Produktion“ erforderlich. „Das bestehende System der Agrarindustrie mit seiner eng getakteten und allein am Profit orientierten Intensivtierhaltung stößt an seine Grenzen. Die derzeit dramatische Lage zeigt: Das System ist nicht krisensicher. Lediglich die Schlachtkapazitäten zu erhöhen, wird langfristig nicht helfen. Der Systemwechsel, der insbesondere mit der Reduzierung von Beständen einhergehen muss, ist lange überfällig und dringender denn je, da ein Ende der Schwierigkeiten durch Corona und die ASP nicht absehbar ist. Die Ferkelerzeugung muss jetzt heruntergefahren werden. Ebenso braucht es eine Flächenbindung der landwirtschaftlichen Tierhaltung, eine Dezentralisierung und eine Abkehr von der Exportorientierung“, fordert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

07.11.2020
Von: FebL

Quelle: ISN