USA: Trotz Klagewelle lässt EPA Dicamba wieder zu

Die US-Umweltbehörde (EPA) hat Ende Oktober zwei Herbiziden mit dem umstrittenen Wirkstoff Dicamba für jeweils fünf Jahre neue Zulassungen erteilt; eine bestehende Zulassung hat sie bis Ende 2025 verlängert. Im Sommer hatte ein Berufungsgericht die bisherigen Zulassungen einkassiert, da das leichtflüchtige Dicamba zahlreiche Landwirte geschädigt hatte. Umwelt- und Verbraucherschutzverbände wollen nun erneut klagen.

Betroffen sind die Produkte „XtendiMax“ von Bayer, „Engenia Herbicide“ von der BASF und „Tavium Plus“ von Syngenta. Laut EPA sei die Zulassung mit neuen Auflagen verbunden, die dazu führen sollen, dass Dicamba nicht mehr verweht werde. So müssen die Hersteller ihre Etiketten und Gebrauchsanweisungen vereinfachen, damit die Farmer leichter erkennen, wie sie Dicamba anwenden sollen. Zudem sollen die Farmer dem Herbizid im Spritztank ein Mittel beimischen, das die Flüchtigkeit reduziert. Die Abstände, die zu Nachbarfeldern eingehalten werden müssen, sollen etwas vergrößert werden. Ferner gibt es für einzelne Kulturen Stichtage, nach denen das Mittel nicht mehr versprüht werden darf.

Anfang Juni 2020 hatte das Bundesgericht in San Francisco die Vermarktung von Dicamba-Produkten untersagt. Vorausgegangen war eine Klage der Verbraucherorganisation Center for Food Safety (CFS) und der Umweltorganisation Center for Biological Diversity gegen das EPA; die die Zulassung von Dicamba verlängert hatten. Die Richter entschieden, das EPA habe „versagt“ und gegen Bundesvorschriften verstoßen. Die Behörde habe bei der Verlängerung der Zulassung des Herbizidwirkstoffs im Jahr 2018 hinsichtlich der mit dessen Verwendung einhergehenden Risiken für die Gesundheit „stark untertrieben“ und andere Risiken gar nicht berücksichtigt, so die Richter.

Zudem gibt es zahlreiche Klagen von Farmern gegen Monsanto (jetzt Bayer) wegen Dicamba-Abdriftschäden. Anfang Februar waren es etwa 170 Dicamba-Klagen. Denn das Herbizid vernichtet nicht nur Unkraut, sondern auch Nutzpflanzen, die nicht genetisch gegen Dicamba resistent gemacht worden sind. Aufgrund der hohen Abdriftproblematik von Dicamba sind 1000de Hektar betroffen. Das sorgt für erbitterten Streit unter US-Farmern. Einer der Kläger ist der größte Pfirischerzeuger im US-Bundesstaat Missouri, der durch die Abdrift von Dicamba aus umliegenden Kulturen schwere Schäden an seinen Plantagen erlitten hatte und vor dem finanziellen Kollaps stehe, so der Kläger. Im Februar 2020 verurteilte die Jury Bayer und die BASF zu einem Schadenersatz in Höhe von 13, 8 Millionen Euro sowie zu einem Strafschadenersatz von 230,7 Millionen Euro. Nach der Entscheidung hatten Bayer und BASF Rechtsmittel gegen diese Entscheidung angekündigt.

Nathan Donley, leitender Wissenschaftler der Umweltorganisation Center for Biological Diversity, sagte zur EPA-Entscheidung : „Angesichts der Tatsache, dass die von der EPA genehmigten Versionen von Dicamba bereits Millionen Hektar Nutzpflanzen und Naturräume in den USA geschädigt haben, gibt es keinen Grund darauf zu vertrauen, dass die Behörde es diesmal richtig gemacht hat.“ Für George Kimbrell, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Center for Food Safety (CFS), ist es eine politisch motivierte Entscheidung. Beide Organisationen hatten mit einer Klage dafür gesorgt, dass der Einsatz von Dicamba im Juni 2020 gerichtlich verboten wurde. Sie kündigten an, auch gegen die neue Zulassung vor Gericht zu ziehen.

02.11.2020
Von: av

Das von einem Nachbarn eingesetzte Herbizid Dicamba hat laut Gerichtsurteil eine Pfirsichplantage ruiniert. Foto: FebL