Scharfer Protest gegen Pläne der EU-Kommission zum Einsatz von Reserveantibiotika

Ihren „scharfen Protest“ gegen den Entwurf einer Verordnung für Tierarzneimittel der EU-Kommission haben in einer gemeinsamen Stellungnahme Germanwatch, Ärzte gegen Massentierhaltung, Greenpeace und Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft formuliert. Denn der vorliegende Entwurf lasse befürchten, dass der flächendeckende Einsatz von Reserveantibiotika in der Tierhaltung legitimiert würde. Die Organisationen fordern, Reserveantibiotika in industriellen Tierhaltungen zu verbieten und für alle anderen Antibiotika einen verpflichtenden Wirksamkeitstest (Antibiogramm) einzuführen. Die EU-Kommission müsse sich besinnen und ein Verbot für Reserveantibiotika in der industriellen Massentierhaltung voranbringen.

Über 33.000 Menschen sterben laut Germanwatch jedes Jahr in Europa, weil Antibiotika nicht mehr helfen. Tiere in Europa bekommen mehr Antibiotika als kranke Menschen und Antibiotikaresistenzen aus Tierhaltungen gelangten bis in unsere Küchen. Und dennoch habe die EU-Kommission ein Papier für eine EU-Regelung an das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) gesendet, demzufolge Tierärzt*innen auch in Tierfabriken unbegrenzt Reserveantibiotika einsetzen dürfen. Dabei seien Reserveantibiotika die letzten Mittel zur Behandlung von Menschen, wenn andere Antibiotika bereits versagen.

In ihrer ausführlichen Stellungnahme an das BMEL, das ihnen die Möglichkeit zur Stellungnahme eröffnet hatte, fordern die unterzeichnenden Organisationen, den Einsatz von Reserveantibiotika gemäß der aktuellen WHO-Liste für Critically Important Antimicrobials Highest Priority ausschließlich für Menschen vorzubehalten.

17.10.2020
Von: FebL/PM

Germanwatch, Ärzte gegen Massentierhaltung, Greenpeace und Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft üben scharfe Kritik an Plänen der EU-Kommission zum Einsatz von Reserveantibiotika in der Tierhaltung.