Schwarzwaldmilch praktiziert Glyphosat-Verbot und ausschließlich europäische Zukauffuttermittel

„Wir denken nicht nur an heute und morgen, sondern in Generationen und Enkelfähigkeit.“ Was Andreas Schneider, Geschäftsführer der baden-württembergischen Molkerei Schwarzwaldmilch, im Rahmen der diesjährigen Bilanz-Pressekonferenz betonte, ist nach eigenen Angaben die zentrale Maxime beim Thema nachhaltiger und damit verantwortlicher Unternehmensausrichtung.

Aus dieser Verantwortung gegenüber Mensch, Tier und Umwelt heraus gilt bei der Schwarzwaldmilch Molkerei „im Sinne einer verantwortungsvollen Landwirtschaft“ seit dem 1. Juli ein konsequentes Glyphosat-Verbot auf allen landwirtschaftlichen Flächen der Schwarzwaldmilchbauern, auf denen Futtermittel für den Milchviehbereich angebaut werden. „Es handelt sich um ein durchdachtes Modell, das wir mit unseren Landwirten gemeinsam erarbeitet und zur Umsetzung gebracht haben“, erklärt Schneider. Für eine wirksame Umsetzung findet eine regelmäßige Kontrolle durch die Auditoren des Milchprüfrings Baden-Württemberg statt. „Zweierlei war für uns in diesem Prozess zentral: Zum einen, dass wir die Landwirte auf dem Weg mitnehmen und gemeinsam eine Lösung finden, die der heterogenen Struktur der Schwarzwälder Landwirtschaft gerecht wird sowie zum anderen, dass wir durchgehende Kontrollmechanismen etablieren. Nur so konnten wir ein glaubhaftes, nachvollziehbares und langfristiges System schaffen“, betont Schneider.

Darüber hinaus darf Zukauffuttermittel, sprich vor allem Eiweiß-Futter, für den Milchviehbereich künftig ausschließlich aus europäischem Anbau stammen. Dies gilt ebenfalls ab dem 1. Juli. „Auch wenn unsere Milchbauern ohnehin bereits bisher ihre geringen Mengen an zugekauftem Futtermittel größtenteils in Europa bezogen haben, möchten wir mit diesem Schritt ein Zeichen setzen und uns ganz klar gegen die Abholzung des Regenwaldes aussprechen, auf dessen Flächen unter anderem Soja für die Futtermittelindustrie angebaut wird“, so Andreas Schneider.

Auch beim Thema Anbindehaltung verfolgt Schwarzwaldmilch nach eigenen Angaben eine klare Linie. Ab spätestens dem 1. Januar 2030 gilt das Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung für Milchkühe. „Als genossenschaftliches Unternehmen tragen wir eine große soziale Verantwortung unseren Milchbauern gegenüber. Das bedeutet für uns, dass wir unseren Landwirten Planungssicherheit bieten müssen und möchten. Der Beschluss mit dem spätesten Ausschluss zum 01.01.2030 ist von unseren landwirtschaftlichen Gremien gefasst worden“, erklärt Schneider. Ein früheres Verbot der traditionellen Anbindehaltung wäre für manche Betriebe existenzgefährdend – das kann und möchte die Molkerei nicht verantworten. „Uns geht es um eine sozial verträgliche und tiergerechte Vorgehensweise“, so Schneider. Für die Umstellung der Haltungsform stehen den Landwirten die Schwarzwaldmilch-Erzeugerberater mit entsprechenden Beratungsangeboten zur Seite. Dies umfasst neben der Unterstützung bei der Umgestaltung der Haltungsform insbesondere auch die Beratung hinsichtlich neuer Investitionsausrichtungen, der Umstellung auf Weidemilch, Biomilch und Bio-Heumilch sowie der Übergabe des Hofes an die Nachfolger. Darüber hinaus unterstützen die Landwirtschaftsämter, Regierungspräsidien und externe Beratungsteams.

Die Milch der Schwarzwaldmilch kommt laut Molkereiangaben von den über 1.000 genossenschaftlich angeschlossenen Milchbauern aus der Region, deren Höfe mit durchschnittlich 43 Kühen deutlich unter dem deutschen Durchschnitt von 68 Kühen liegen. Das zeige die kleinformatige Struktur der Milchviehhaltung im Schwarzwald. Die Molkerei ist für die Veredelung der Rohmilch verantwortlich, für Schwarzwaldmilch hört die Betrachtung im Sinne einer ganzheitlichen Verantwortung hier aber nicht auf. Entsprechend sind Aspekte des Tierwohls für das Unternehmen zentrale Bausteine. Für Schwarzwaldmilch zählen dabei besonders die artgerechte Haltung sowie die Bewegungsfreiheit der Kühe. Daher fördert die Molkerei den Weideauslauf auf Basis der strengen Weidehaltungskriterien mit einem Aufschlag von 1,66 Cent/kg brutto inkl. 10,7% Mehrwertsteuer. Darüber hinaus nimmt die Molkerei neue Höfe nur auf, wenn sie einen Freilaufstall ermöglichen können.

Zum Milchauszahlungspreis erklärt die Molkerei: „Für unsere Milcherzeuger ist der ganzjährige Milchauszahlungspreis am Ende des Jahres entscheidend. Unser durchschnittlicher Milchauszahlungspreis des Jahres 2019 beträgt für konventionelle Milch 39,64 Cent/kg (Brutto), Bio-Milch: 54,33 Cent/kg (Brutto) jeweils inkl. 10,7% MwSt. bei 4,2% Fett, 3,4% Eiweiß, ab Hof, inkl. aller Zu-/Abschläge.“ Damit zahlt die Molkerei, wie sie selber sagt, „im Vergleich zu vielen anderen deutschen Molkereien deutlich höher“ aus.