Kehrtwende beim Verband der Fleischwirtschaft

Am Tag des sogenannten Branchengipfels am 26. Juni teilt der Verband der Fleischwirtschaft e. V. (VDF) mit, dass er das Gesetzesvorhaben der Bundesregierung, das System der Werkverträge abzuschaffen, unterstützt. „Die wesentlichen Eckpunkte eines Kabinettsbeschlusses vom 20. Mai 2020 werden vom VDF mitgetragen. Erste Umsetzungen von Mitgliedsunternehmen zeigen die Ernsthaftigkeit, mit der die Fleischwirtschaft in Deutschland in ihrer Gesamtheit eine Umkehr der bisherigen Praxis anstrebt und das System der Werkverträge in der Schlachtung und Zerlegung beenden will“, erklärt der VDF.

Noch im Mai und somit vor dem Corona-Ausbruch beim Tönnies-Konzern klang das ganz anders. Unmittelbar nach dem Kabinettsbeschluss am 20. Mai hieß es mit Bezug zu Medienberichten über die beschlossenen Eckpunkte, dass das Verbot von Werkverträgen zur Erledigung bestimmter Tätigkeiten in Fleischbetrieben, die eine bestimmte Größenordnung überschreiten, „eine willkürliche Diskriminierung“ und die Abschaffung von Werkvertragsbeschäftigung für die Fleischwirtschaft „vollkommen unangemessen“ sei, um die in der Kritik stehenden Sachverhalte zu regeln.

Der Verband der Fleischwirtschaft vertritt „als Spitzenorganisation der Fleischwirtschaft“ nach eigenen Angaben die Interessen von Unternehmen aus nahezu allen Bereichen des Vieh- und Fleischsektors. Der Verband repräsentiert die Unternehmen der Vieherfassung, Schlachtung, Fleischzerlegung und -bearbeitung bis hin zur Fleischverpackung für den Endverbraucher, die Großhandelsstufe sowie den Import und Export mit Vieh und Fleisch. Auf die über 200 Mitgliedsunternehmen entfallen laut Verbandsangaben mehr als 90 % aller Schlachtungen in Deutschland und nahezu der gesamte Import und Export des Sektors wird von den Mitgliedsfirmen abgewickelt. Insgesamt sind laut VDF im Sektor Vieh und Fleisch der Ernährungswirtschaft ca. 406.000 Menschen beschäftigt, der größte Teil im Fleischerhandwerk. Lässt man das Handwerk und die verarbeitende Industrie unberücksichtigt, entfallen auf den Bereich der Schlachtung, Zerlegung sowie den Groß- und Außenhandel mit Vieh und Fleisch laut VDF etwa 100.000 Arbeitsplätze.