Staatsanwaltschaft ermittelt gegen führende Westfleisch-Mitarbeiter

Die Staatsanwaltschaft im nordrhein-westfälischen Münster hat in der vergangenen Woche die Geschäftsräume des Schlachtkonzerns Westfleisch SCE mbH in Münster und des Standorts Coesfeld durchsucht. Dabei geht es laut Angaben der Staatsanwaltschaft bei der Maßnahme um den Anfangsverdacht der Untreue zum Nachteil von Westfleisch. Den Ermittlungsgegenstand bildet der Verkauf von rund 12.000 Tonnen Schweinefleisch nach China. Dieser soll über das Unternehmen Prime Pork Trading in Dänemark sowie einen Zwischenhändler in Dubai namens Prime Meat General Trading (PMGT), der dort im (noch) höchsten Gebäude der Welt residiert, abgewickelt worden sein. Ermittelt wird laut Medienberichten gegen ein Vorstandsmitglied, einen Aufsichtsrat und einen Vertriebsleiter von Westfleisch sowie einen Verantwortlicher der an dem Geschäft beteiligten dänischen Firma. Es geht um die Frage, ob Gewinne an Westfleisch vorbei geflossen sind, was in letzter Konsequenz zulasten der Westfleisch-Genossenschaftler, der Bauern und Bäuerinnen ginge. Ein „Geschmäckle“, wie es in Medien heißt, bekommt die Angelegenheit durch die beteiligten Personen. Das Westfleisch-Vorstandsmitglied, gegen das ermittelt wird, ist der Bruder des Geschäftsführers der dänischen Firma Prime Pork Trading, die ihrerseits „personell verknüpft“ sein soll mit dem Zwischenhändler in Dubai. Beide Brüder gelten als in der Fleischbranche bestens vernetzt, haben getrennt voneinander beispielsweise für Danish Crown oder Vion gearbeitet. Ausgelöst haben soll die Ermittlungen eine Anzeige eines ehemaligen Mitarbeiters, der bereits ein Jahr vor dem betroffenen China-Geschäft Westfleisch in Richtung eines Wettbewerbers verlassen habe. Bei Westfleisch kann man „den Vorwurf nicht nachvollziehen." und ist "zuversichtlich, den Anfangsverdacht kurzfristig ausräumen zu können“. Der Westfleisch-Vorstand sieht in der Anzeige einen „böswilligen Frontalangriff“, bei dem es sich um eine „gezielte Kampagne handelt, die Westfleisch in ein falsches Licht rücken soll“. Auf der nach der Veröffentlichung der Ermittlungen planmäßig abgehaltenen Westfleisch-Generalversammlung wurde dem Vorstandsmitglied, gegen den ermittelt wird, auf eigenen Vorschlag hin die Entlastung für das China-Geschäft bis zur endgültigen Klärung des Vorgangs nicht erteilt, darüber hinaus aber wie auch dem gesamten Vorstand die Entlastung ausgesprochen.
22.06.2020
Von: FebL