Bioverbände sehen Europa auf dem Bio-Weg

Dass die Europäische Union auf mindestens 25 Prozent Bio bis 2030 setzt, ist für Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), „nur logisch“. "Mit der Farm to Fork-Strategie tut Europa das einzig Richtige: Land- und Lebensmittelwirtschaft und die Art, wie wir essen, enkeltauglich machen. Das erwarten die Europäer. Das stärkt 100.000e Betriebe, die unser Essen umweltfreundlich herstellen. Das zahlt auf Klima- und Artenschutz ebenso ein, wie auf eine resiliente Wirtschaft und gesunde Menschen in einer gesunden Umwelt.“, so der BÖLW-Vorsitzende.

Von der der Bundesregierung erwartet er, „die europäischen Ziele entschlossen umzusetzen und die Agrar- und Ernährungspolitik neu auszurichten – die europäische Strategie verlangt Deutschland einen klaren Strategiewechsel ab“.

Nachhaltig vom Acker auf den Teller geht für den Anbauverband Demeter „nur mit mehr Bio“. Der Verband fordert Bund und Länder auf, die Strategiepapiere „Farm to Fork“ und „Biodiversität 2030“der EU-Kommission als Leitlinie für eine Agrar- und Ernährungswende zu nutzen.

„Das von der EU-Kommission gesetzte Ziel, 25 Prozent Ökolandbau in 2030 zu erreichen, ist ein wichtiger Schritt, um unser Ernährungssystem zukunftsfähig zu machen und die Biodiversitätsziele in der Landwirtschaft zu erreichen“, betont Demeter-Vorstand Alexander Gerber. „Die Bundesregierung muss sich jetzt in den Verhandlungen zur Gemeinsamen EU-Agrarpolitik dafür einsetzen, dass hinter diesem Ziel auch konkrete Maßnahmen stehen. Wir fordern, dass 70 Prozent des Agrarbudgets für gesellschaftliche Leistungen in den Bereichen Landwirtschaft und Umwelt festgelegt wird!“

Gerber weist darauf hin, dass die Ziele zum Ökolandbau nur dann vollständig erreicht werden können, wenn auch die Nachfrage nach Ökoprodukten angekurbelt wird: „Hier stehen entschiedene Schritte an: Die Bundesländer müssen ambitioniert den Anteil von Ökolebensmitteln in öffentlichen Kantinen und Mensen erhöhen. Die positiven Auswirkungen kann man in Kopenhagen sehen. Das Beispiel zeigt, dass dies, wenn richtig angepackt und mit Schulungs- und Informationskampagnen begleitet, auch wichtige Impulse für eine insgesamt nachhaltigere und gesündere Ernährungsweise setzen kann.“

Um die Landwirtschaft fit für die Zukunft zu machen, insbesondere in Zeiten des Klimawandels, brauchen wir auch Forschung und Innovation: „Um unser Ernährungssystem gegen Krisen zu wappnen, müssen wir die gesamte Wertschöpfungskette betrachten. Zum anderen müssen in der Landwirtschaft Ansätze wie Populationszüchtung, erweiterte Fruchtfolgen oder Mixed Cropping bei der Vergabe von öffentlichen Geldern priorisiert werden. Das sind chronisch unterfinanzierte Bereiche, weil solche ganzheitlichen Ansätze – richtigerweise! – nicht patentierbar und daher kommerziell weniger interessant sind. Wir fordern, mindestens 20 Prozent der öffentlichen Agrarforschungsgelder im Ökobereich festzulegen,“ kommentiert die politische Sprecherin des Demeter e.V. Antje Kölling zur Farm-to-Fork-Strategie.

„Eindimensionale Ansätze wie technische Genmodifikationen sind keine Antwort auf vielschichtige Probleme. Auch die Mehrheit der Verbraucherinnen will keine Gentechnik auf dem Teller,“ ergänzt Antje Kölling. „Wahlfreiheit und Vorsorgeprinzip müssen erhalten und weiterhin gestärkt werden. Wenn die EU-Kommission jetzt wie angekündigt die Möglichkeiten neuer Gentechnikverfahren untersuchen will, muss auch eine kritische Betrachtung der Risiken und Grenzen erfolgen. Das gültige EU-Gentechnikrecht steht für Verbraucherschutz und die Minderung von Umweltrisiken – es darf nicht im Namen der kommerziellen Interessen weniger Unternehmen aufgeweicht werden!“

Für Bioland-Präsident Jan Plagge schickt die Farm to-Fork-Strategie Europa auf den Bio-Weg und sie muss die Grundlage der EU-weiten Agrarpolitik bilden. „Das ist heute ein sehr ermutigendes Signal aus Brüssel – Europas Land- und Lebensmittelwirtschaft soll bis 2030 deutlich ökologischer werden. Die Zielmarke von 25 Prozent Ökolandbau bis 2030 ist ein wichtiger Wegweiser in Richtung Landwirtschaft der Zukunft. Wenn wir die Klimakrise und die immensen Herausforderungen im Bereich der Biodiversität angehen und unsere landwirtschaftlichen Systeme widerstandsfähiger machen wollen ist das genau der richtige Weg“, erklärt Plagge anlässlich der Strategie-Veröffentlichung.

„Die Farm-to-Fork-Strategie beweist Mut! Sie darf jetzt aber kein weiteres schönes Papier sein, sie muss eine wirkliche Veränderung einleiten. Nun gilt es, die Ziele und Maßnahmen der F2F- und Biodiversitätsstrategie vollständig in die Strategieplanverordnung der GAP zu integrieren und die GAP zu einem wirksamen Instrument zur Erhaltung unserer Lebensgrundlagen zu machen“ so Plagge.

Die neue GAP könne nur dann wirksam werden, wenn die Landwirte eine direkte Honorierung für ihre freiwilligen Leistungen für den Umwelt-, Klima- und Tierschutz erhalten. Denn diese werden nach Ansicht von Plagge aktuell über den Markt nicht entlohnt. „Dafür müssen 70 Prozent der GAP-Fördermittel eingesetzt werden. Auch die nationalen Mittel müssen aufgestockt werden, um weiteren Landwirten eine Umstellung auf Ökolandbau zu ermöglichen“, so der Bioland-Präsident abschließend.

20.05.2020
Von: FebL/PM

Sehen Europa auf dem Bio-Weg: Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, Bioland-Präsident Jan Plagge und Demeter-Vorstand Alexander Gerber. Fotos: Bioland; BÖLW