EU-Parlament gegen Import gentechnisch veränderter Soja mit dreifacher Herbizidresistenz

Das EU-Parlament hat sich mit großer Mehrheit (606 dafür, 21 dagegen, 56 Enthaltungen) gegen die Importzulassung einer gentechnisch veränderten Soja der Firma Bayer ausgesprochen. Das Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie/Testbiotech warnt davor, die neue Gentechnik-Soja von Bayer ohne ausreichende Sicherheitsprüfung zuzulassen.

Die Soja (MON 87708 x MON 89788 x A5547-127) ist gegenüber der Anwendung von gleich drei Herbiziden resistent. Die mehrfach gentechnisch veränderten Sojabohnen wurden von der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) als sicher bewertet. Nach Einschätzung des EU-Parlamentes war diese Risikoprüfung jedoch nicht ausreichend. Ein Grund: Die Sojabohnen wurden nicht auf die Wechselwirkungen getestet, die durch die gentechnischen Veränderungen und die Rückstände der Herbizide Glyphosat, Dicamba und Glufosinat entstehen können.

In der Entschließung des EU-Parlamentes heißt es mit Blick auf den Zulassungsantrag dazu, „dass die Bewertung der für diesen Antrag relevanten Herbizidrückstände von dem für Pestizide zuständigen Referat der EFSA geprüft worden sei, dies allein jedoch nicht ausreiche, da die kombinatorische Toxizität der Komplementärherbizide und Metaboliten sowie deren potenzielle Wechselwirkung mit der genetisch veränderten Pflanze selbst, in diesem Fall der genetisch veränderten Sojabohne der Sorte MON 87708 × MON 89788 × A5547-127, nicht berücksichtigt worden sei“. So wurden beispielsweise laut Testbiotech Fütterungsversuche nur über 90 Tage und mit Sojabohnen durchgeführt, die nur gegen die Anwendung von je einem der Herbizide resistent sind. Keine einzige Fütterungsstudie wurde mit den dreifach resistenten Sojabohnen durchgeführt, die jetzt importiert werden sollen.

Die Bedenken gegenüber den Standards der EFSA wurden jüngst durch das internationale Forschungsprojekt RAGES bestätigt, das unabhängig von der Gentechnikindustrie durchgeführt wurde. Die ExpertInnen von RAGES kommen zu dem Ergebnis, dass die derzeitigen Standards nicht den gesetzlichen Anforderungen genügen, nach denen auf angemessene Art und Weise und unter Anwendung höchster wissenschaftlicher Standards nachgewiesen werden muss, dass die Gentechnik-Pflanzen und daraus gewonnene Nahrungsmittel als sicher angesehen werden können. Sind Pflanzen mehrfach gentechnisch verändert, müssen demnach auch die Wechselwirkungen in Kombination getestet werden.

Die Abstimmung im EU-Parlament fand vor dem Hintergrund laufender Gespräche zwischen der EU-Kommission und der US-Regierung statt, in denen es auch um eine mögliche Beschleunigung der Zulassungsanträge geht. Testbiotech warnt in diesem Zusammenhang vor einer Gefährdung der in der EU gesetzlich vorgeschriebenen hohen Schutzstandard für Mensch und Umwelt.