Landratsamt stellt Betrieb der fleischverarbeitenden Müller Gruppe unter Quarantäne

Das Landratsamt des Enzkreises (Baden-Württemberg) hat den Rinderschlachthof der Müller-Gruppe in Birkenfeld unter Quarantäne gestellt, nachdem dort bei Tests von gut 250 Mitarbeitern mehr als 90 positiv auf das Corona-Virus getestet worden waren. Die Unternehmen der Müller Gruppe zählen im Firmenverbund nach eigenen Angaben zu den führenden der deutschen Fleischwirtschaft.

„Die Firma hat die Situation unter Kontrolle und das Gesundheitsamt ist vor Ort.“ Dennoch habe das Landratsamt keine andere Wahl, als den gesamten Betrieb unter Quarantäne zu stellen, wie Landrat Bastian Rosenau betont. Aufgrund ihrer Bedeutung für die Lebensmittel-Herstellung darf das Unternehmen unter Auflagen weiterarbeiten. „Als Lebensmittel verarbeitender Betrieb gehört der Standort Birkenfeld zu den systemrelevanten Unternehmen der Fleischwirtschaft und trägt damit maßgeblich zur Versorgung der Bevölkerung bei (so genannte „kritische Infrastruktur“); aus diesem Grund läuft die Produktion in Birkenfeld weiter“, teilt das Unternehmen dazu mit. Eine Gefahr für den Verbraucher bestehe laut Landratsamt nicht. Bislang sei kein einziger Fall bekannt, bei dem das Virus über Lebensmittel übertragen worden sei. Hinzu komme, dass das betreffende Lebensmittel normalerweise vor dem Verzehr gekocht, gebraten oder gegrillt werde – wodurch man das Virus zuverlässig abtöte.

„Wir haben in enger Absprache mit der Firma die notwendigen Maßnahmen angeordnet und bereits eingeleitet“, betont der Landrat und lobt die Kooperationsbereitschaft der Geschäftsführung. Dazu gehöre, dass sämtliche Mitarbeiter ab sofort unter Quarantäne gestellt werden. „Das bedeutet, dass sie zur Arbeit kommen, aber ansonsten die eigenen vier Wände nicht verlassen dürfen“, erläutert Brigitte Joggerst, die Leiterin des Gesundheitsamts. Dies gelte so lange, bis klar sei, wer tatsächlich infiziert sei und wer nicht. Vermutlich müsse die Testung in ein bis zwei Wochen wiederholt werden.

Nach derzeitigem Kenntnisstand geht man davon aus, dass das Virus durch private Kontakte eingetragen worden sei. Die Firma selbst hat bereits vor einigen Wochen präventive Maßnahmen getroffen. So gebe es praktisch keinen persönlichen Kontakt mehr zwischen Mitarbeitern und Kunden, Fahrern oder Anlieferern. Wo nötig trügen die Mitarbeiter Schutzanzüge. Einen Direktverkauf wird der Betrieb laut Landratsamt vorsichtshalber vorläufig schließen.

Da die Beschäftigten in Pforzheim, vielen Enzkreis-Gemeinden und zum Teil auch im Kreis Calw wohnen, habe man sich im Landratsamt entschlossen, eine Allgemeinverfügung für alle zu erlassen, wie der Landrat sagt. „Wir hoffen, dass die Maßnahmen schnell greifen und die Nach-Testungen keine weiteren Überraschungen bringen“, so der Kreis-Chef.

Die Zahl der in dem betroffenen Unternehmen insgesamt Beschäftigen soll sich auf über 1000 belaufen, die alle getestet werden sollen. „Im Moment laufen die Tests“, bestätigt laut Badische Neueste Nachrichten (BNN) Müller-Fleisch-Betriebsleiter Lothar Kusche am Freitag. Zu den 450 eigenen Mitarbeitern gesellt sich auch „ein Großteil externer Dienstleister“. Wie viele es genau sind, wollte Kusche der BNN-Redaktion nicht mitteilen. Bei den Infizierten handele es sich, so Birkenfelds Bürgermeister Martin Steiner laut BNN, vor allem um Saisonarbeiter aus dem osteuropäischen Ausland.

Zum Firmenverbund der Müller Groppe gehören die Unternehmen Müller Fleisch GmbH, Bayreuther Fleisch GmbH, Ulmer Fleisch GmbH, Ingolstädter Fleisch GmbH sowie Süddeutsches Schweinefleischzentrum GmbH, die alle in Süddeutschland, Baden-Württemberg und Bayern angesiedelt sind. Es werden an den Standorten laut Unternehmensangaben jährlich über 320.000 Rinder und 2.100.000 Schweine geschlachtet, zerlegt und vermarktet. Darüber hinaus wird am Standort Birkenfeld bei der Müller Fleisch SB-Fleisch produziert. Von Birkenfeld aus werden laut Angaben des Unternehmens unter anderem der Handel und Großverbraucher, darunter Discounter wie Aldi, Lidl und Netto beliefert.

18.04.2020
Von: FebL

Ein Betrieb der Müller Gruppe ist unter Quarantäne gestellt worden. Foto: Müller Gruppe