Gentechnik fürs Klima?

Eine Analyse des Instituts für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie Testbiotech zeigt, dass Aussagen des Weltklimarates zu neuen Gentechnikverfahren von verschiedenen Akteuren missbräuchlich verwendet werden, um nicht nur deren Einsatz sondern auch weitgehende Deregulierung zu begründen.

Neue Gentechnikverfahren, auch als Genome Editing bezeichnet, erwecken im Bereich der Landwirtschaft zahlreiche Hoffnungen. Angesichts der enormen Herausforderungen, die zum Beispiel durch den Klimawandel entstehen, knüpfen Industrie und Teile der Wissenschaft große Erwartungen an diese neuen Verfahren, vor allem an die Genschere CRISPR/Cas. Mit dem Slogan ‘Genome Editing gegen den Klimawandel‘ setzen sich verschiedene Akteure nicht nur für den Einsatz der neuen Gentechnikverfahren, sondern auch für deren weitgehende Deregulierung ein. Entsprechende Pflanzen und Tiere müssten dann nicht mehr verbindlich in Zulassungsverfahren auf ihre Risiken geprüft werden.

Zur Begründung wird im deutschsprachigen Raum dabei auch immer wieder auf einen umfassenden Bericht des Weltklimarates (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) zu Klimawandel, Landnutzung und Landwirtschaft verwiesen. Die aktuelle Analyse von Testbiotech zeigt nun, dass einzelne WissenschaftlerInnen, aber auch Fachverbände, PolitikerInnen und einzelne Medien diesen Bericht des Weltklimarates zum Teil missbräuchlich verzerren und falsch wiedergeben.

Wie die Analyse von Testbiotech zeigt, wird im Bericht des IPCC alte und neue Gentechnik so gut wie gar nicht thematisiert. Genome Editing und die Verwendung der Gen-Schere CRISPR/Cas wird zwar einmal explizit genannt, aber dabei nur sachlich zur Kenntnis genommen. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass der Weltklimarat ganz speziell einen raschen Einsatz des Genome Editing fordert.

Eine undifferenzierte Auslegung, die den Bericht auf die Formel ‚IPCC fordert Gentechnik/Genome Editing!‘ reduziert, wie sie von einzelnen WissenschaftlerInnen, aber auch von einflussreichen Fachverbänden übernommen wurde, ist laut Testbiotech daher irreführend und angesichts der gegebenen Textgrundlage nicht haltbar. Der Bericht des Weltklimarates zu Landnutzung und Klimawandel sollte deswegen auch nicht dazu instrumentalisiert werden, um überzogene Erwartungen zu wecken. Auch die Forderung nach der Abschaffung von Zulassungsprüfungen könne mit diesem Bericht nicht begründet werden.

„Der Bericht des IPCC lässt die Frage nach dem Einsatz von neuen Gentechnikverfahren in der Landwirtschaft und ihrem möglichen Nutzen vielmehr völlig offen. Tatsächlich gibt es bisher auch keine Beispiele für Anwendungen, die hier einen einzigartigen Nutzen erwarten lassen. Sollten aber in Zukunft tatsächlich Pflanzen und Tiere mit überraschenden neuen Eigenschaften generiert werden, müssten diese auch eingehend auf ihre Risiken geprüft werden“, schreibt Testbiotech.

14.04.2020
Von: FebL/PM

Der IPCC-Bericht liefert keine Begründung für der Forderung nach einem raschen Einsatz von Gentechnik oder neuen Gentechnikverfahren zur Bekämpfung der Folgen des Klimawandels wie zum Beispiel Dürreperioden. Foto: FebL