Hamsterindex: Desinfektions- vor Lebensmittel

Die Corona- Zeit treibt bei allen Sorgen und Gefahren auch neue Blüten hervor. So berichtet die Lebensmittelzeitung seit Mitte März sehr detailliert über die Bevorratungswelle der deutschen VerbraucherInnen. Grundlage sind die von der Frankfurter Marktforschungsgruppe Nielsen ausgewerteten Einkaufsdaten im Einzelhandel. Demnach hat sich schon in der Kalenderwoche 13 (Ende März) das große Hamstern von Grundnahrungsmitteln, Desinfektions- und Reinigungsprodukten abgeschwächt. In allen Warengruppen sind die Zuwachsraten gesunken – auch beim Klassiker Toilettenpapier. Aber gegenüber der Vor- Coronazeit bleiben sie gewaltig. In der ersten Woche mit verschärften Ausgangsbedingungen, Schulschließungen und Kontaktverboten lagen weiterhin Desinfektionsprodukte weit an der Spitze. Nach 210% in der Vorwoche liegen sie immer noch bei 154% Zuwachs gegenüber der Vorwoche. Fixprodukte von Maggi oder Knorr und Fertiggerichte folgen auf den Plätzen. Trotz starken Zuwachsrückgang belegt Mehl mit + 63% im Ranking der Lebensmittel den Spitzenplatz (nach + 201% und + 154% in den Vorwochen und noch vor Klopapier!) Brotmischungen sind aber bereits von Rang 1 auf Rang 9 abgerutscht. Auch andere haltbare Lebensmittel wie Zucker, Reis, Nudeln wurden stark nachgefragt, allerdings mit rückläufigen Zuwächsen. Selbst Würstchenkonserven wurden seltener gehortet. Bei Zahnpasta, Süßwaren, H- Milch, Bier und Salami gingen die Umsätze sogar leicht zurück.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass der Einzelhandel ein großer Gewinner der Pandemie ist – auf Kosten von Gastronomie, Kantinen und Großküchen. Auch im nächsten halben Jahr wollen die Deutschen bei ihren Einkäufen verstärkt auf Lebensmittel, Gesundheitsprodukten und Haushaltsartikel setzen, so das Ergebnis der Boston Consulting Ende März. Dabei werde Bio, Frische und verpackte Ware weiterhin sehr gefragt. Auch die Vorratshaltung wollen viele erst einmal beibehalten, auch wenn Preiserhöhungen erwartet werden.

Bauernstimme Nachrichten konnte bisher nicht herausfinden, ob Informationen zutreffen, dass der Hamsterindex demnächst an der Frankfurter Börse gehandelt wird. Einige Investmentfonds („Heuschrecken“) sollen bereits Interesse angemeldet haben, da sie Schwierigkeiten hätten, ihr Geld profitabel anzulegen. Auch im Ausland kursieren Gerüchte, wonach der Index auf das globale Parkett ausgeweitet werden könnte. Nach inoffiziellen Mitteilungen liegen aber in anderen Ländern völlig andere Produkte an der Spitze. In Frankreich sollen unbewiesenerweise etwa Rotwein und Kondome führen, in Holland Chips und Haschisch und in den USA Waffen an der Spitze liegen. Wissenschaftler versuchen Erklärungen zu finden, was die Ergebnisse über die Nationen aussagen. Spekulation herrscht an den Börsen, ob es sich z.B. bei Klopapier mittelfristig um einen steigenden Bullenmarkt oder einen fallenden Bärenmarkt handelt.

Einig sind sich aber alle Analysten: Der Markt bleibt volatil.

10.04.2020
Von: hg

Auch Nudeln sind Gegenstand von Hamsterkäufen. Foto: FebL