Corona verschiebt Zeitplan der EU-Agrarreform und der „From-Farm-to-Fork“-Strategie

Eine Abstimmung im EU-Parlament über die zukünftige Gemeinsame EU-Agrarpolitik (GAP) wird es aufgrund der eingeschränkten Arbeitsfähigkeit infolge des „Corona-Geschehens“ voraussichtlich frühestens im Oktober diesen Jahres geben und nicht, wie bisher vorgesehen, noch vor der Sommerpause. Darauf habe man sich laut Berichterstatter der GAP-Strategieplanverordnung, Dr. Peter Jahr, fraktionsübergreifend geeinigt.

Und auch der von der EU-Kommission angekündigte Vorstellungstermin für die „From-Farm-to-Fork“-Strategie ist vom 25. März auf den 29. April verschoben worden, in diesem Fall sehr zum Ärger des agrarpolitischen Sprechers der Grünen im EU-Parlament; Martin Häusling, der „die Versuche der konservativen EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, die Corona-Krise auszunutzen, um den Green Deal und damit auch die Farm-to-Fork-Initiative (vom Erzeuger auf den Teller) zu verschieben“, als „rückwärtsgewandt“ bezeichnet und scharf zurückweist.

„Die Absicht der EVP-Fraktion, bei der Implementierung zeitgemäßer nachhaltigerer Ernährungssysteme Zeit zu schinden, stellt ein ebenso durchsichtiges wie provokantes Manöver dar. Damit versuchen die Konservativen eine Krisensituation zugunsten einer rückwärtsgewandten Politik auszuschlachten. Es ist überhaupt nicht einsehbar, warum man wegen der Corona-Pandemie die Entwicklung hin zu einer zukunftsorientierten, nachhaltigen, auf Klimaschutz und Erhalt der Biodiversität ausgerichteten Politik zurückstellen sollte. Etliche wissenschaftliche Studien sowie zwei Gutachten des Europäischen Rechnungshofes haben deutlich gezeigt, dass die aktuelle Europäische Agrarpolitik nicht auf Dauer bestehen kann, und zwar weder ökologisch noch ökonomisch. Gutachten zum ländlichen Raum zeigen, dass es regionale Wertschöpfungsketten und Absatzwege braucht, um den Wünschen der europäischen Bürger zu begegnen und gleichzeitig ökonomisch am Markt zu bestehen. Genau das sehen wir jetzt“, erklärt Häusling.

Ein Weiter so, das mit industriell erzeugtem Futter aus Übersee Milchseen und Schweinefleischberge für den globalen Export erzeugt und unsere Umwelt schädigt, kann und darf es laut Häusling nicht geben. Es würde uns die Grundlage für künftiges landwirtschaftliches Handeln entziehen. „Wir brauchen den Green Deal von Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen und die darin enthaltene Farm-to-Fork-Initiative, und zwar möglichst rasch“, so Häusling abschließend.