Corona-Maßnahmen könnten Versorgung mit Lebensmitteln behindern

Die von Regierungen weltweit aufgrund der Corona-Krise verhängten Maßnahmen könnten die Versorgung mit Nahrungsmitteln teilweise unterbrechen, warnt die Welternährungsorganisation FAO. Am 26. März appellierte FAO-Generaldirektor QU Dongyu an die Staats- und Regierungschefs der G20-Länder, zu gewährleisten, dass die Ernährungssysteme nicht beeinträchtigt werden und auch die Ärmsten weltweit trotz COVID-19 genügend Lebensmittel haben. „Wir müssen sicherstellen, dass die Wertschöpfungsketten für Nahrungsmittel nicht unterbrochen werden und weiterhin gut funktionieren und die Produktion und Verfügbarkeit von vielfältigen, sicheren und nahrhaften Lebensmitteln für alle fördern“, sagte er in einer Online-Ansprache. „Die Armen und Schwachen werden am stärksten betroffen sein und die Regierungen sollten die sozialen Sicherheitsmechanismen stärken, um deren Zugang zu Nahrungsmitteln aufrechtzuerhalten.“

QU Dongyu betonte, dass die Lebensmittelversorgung gut funktioniere, aber es bestehe die Sorge, dass protektionistische Politiken und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit die Produktion, Verarbeitung, Verteilung und den Verkauf von Lebensmitteln sowohl auf nationaler Ebene als auch weltweit stören könnten. Er zog eine Parallele zur globalen Lebensmittelpreiskrise 2007-08 und führte an, dass die damalige Unsicherheit eine Welle von Exportbeschränkungen in mehreren Ländern ausgelöst habe, während andere Länder begannen, massiv Lebensmittel zu importieren. Dies habe zu einer übermäßigen Preisvolatilität beigetragen und sich negativ auf die Länder mit niedrigem Einkommen und einem Nahrungsmitteldefizit ausgewirkt. Das sieht auch Maximo Torero, Chefökonom der FAO, so. Er betonte, dass die Regierungen den Forderungen einiger Kreise nach dem Schutz der eigenen Lebensmittelversorgung durch Exportbeschränkungen entgegentreten müssen. „Handelsschranken werden zu extremer Volatilität führen. (...) Das ist es, was wir bei Lebensmittelkrisen beobachten“, sagte er der britischen Zeitung „The Guardian“.

Torero wies darauf hin, dass einige Länder bereits Zölle und Exportverbote erlassen haben. So habe etwa Kasachstan die Ausfuhr von Weizenmehl gestoppt und Beschränkungen für Buchweizen und Gemüse wie Zwiebeln, Karotten und Kartoffeln eingeführt, berichtet der Guardian. Dem Blatt zufolge hat Vietnam, der drittgrößte Reis-Exporteur der Welt, Handelsverträge über den Export von Reis vorübergehend ausgesetzt. Es sei zu vermuten, dass auch Russland, der weltgrößte Weizenexporteur, die Exporte beschränken könnte, wie es bereits früher geschehen ist – ganz zu schweigen von Maßnahmen, die US-Präsident Donald Trump ergreifen könnte. Ein weiteres Problem, das in den kommenden Wochen auftreten könnte, ist der durch die Corona-Pandemie verursachte Mangel an Erntehelfern. Da Regierungen Grenzen schließen, ist die Rekrutierung von Saisonarbeitern unmöglich geworden. „Wir müssen aufpassen, dass wir die Lebensmittelwertschöpfungskette und die Logistik nicht unterbrechen, sonst werden wir bald Probleme bei frischem Gemüse und Obst haben“, so Torero. „Obst und Gemüse sind auch sehr arbeitsintensiv, wenn Arbeitskräfte wegzufallen drohen, da die Menschen sich nicht frei bewegen können, dann hat man ein Problem.“ Diese Arten von Produkten hätten oft kurze Reifezeiten, seien leicht verderblich und benötigten qualifizierte Pflücker, die zur richtigen Zeit schnell arbeiten können. Torero forderte Maßnahmen, um sicherzustellen, dass die Arbeiter auf die Felder gelangen und zugleich die Verbreitung des Virus verhindert wird. (ab)

Eine Meldung von weltagrarbericht.de