Einzelhandels- Weltmarkt: USA vor deutschen Discountern

Nicht nur in Deutschland und in Europa spielen die deutschen Discounter in der Champions- Liga, auch weltweit sind sie eine Macht. In der Rangfolge der global mächtigsten Einzelhändler liegen unter den Top Ten sieben US- Amerikaner, die zwei deutschen Schwarz und Aldi und auf Platz 10 Tesco aus England. Die Schwarz- Gruppe (Lidl, Kaufland) ist inzwischen mit 121 Mrd. Dollar Umsatz auf Platz 4 vorgerückt und in 30 Ländern weltweit vertreten. Das hat das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte in seinem jährlich erstellten Report „Global Powers of Retailing“ für das Jahr 2018 ermittelt. Aldi bleibt mit 106 Mrd. USD auf dem achten Platz mit Präsenz in 19 Ländern, rückt aber durch seine internationalen Aktivitäten in USA und Australien an die vor ihm liegenden US- Konzerne heran.

Die ersten drei Ränge belegen mit Abstand die US-Einzelhändler Walmart vor Costco und dem Online- Einzelhandel von Amazon, der aber mit 18% das größte Wachstum verzeichnet und in 2019 auf Platz 2 landet.

Unter die Top 20 haben es auch Edeka (Platz 16) und Rewe (20) geschafft, wobei zu berücksichtigen ist, dass Edeka durch Genossenschaftsbeschluss nur auf Deutschland beschränkt ist, während Rewe in 13 Ländern vertreten ist.

Mit großem Abstand sitzt der US- Riese Walmart auf dem Thron der global players. Mit einem Einzelhandelsumsatz von 514 Mrd. US- Dollar in 28 Ländern spielt der 1962 von Samuel Walton in Arkansas gegründete Discounter in einer eigenen Liga. Er setzt etwa 3,5 mal mehr um als sein Verfolger. Für viele ist Walmart der Vater aller Discounter, an dem sich auch Aldi (Albrecht- Discount) bei seiner Gründung orientierte. Damit erwirtschaftet die US- Supermarktkette etwa so viel wie das Bruttoinlandsprodukt von Belgien und deutlich mehr als Österreich, Norwegen oder Portugal.

Walmart gilt als Mammutkonzern mit besonders innovativer Organisation z.B. in der Lagerverwaltung, im Lieferketten- und im IT-Management. Als erster führte man Barcodes ein und arbeitet mit einer gigantischen Vertriebsdatenbank, die Verkaufs- und Bestandsinformationen in Echtzeit liefert. Obwohl sich die Lieferanten regelmäßig über den Preisdruck beschweren, besteht die Lieferkette aus langfristigen „Partnerschaften“. Dabei ist Walmart nicht in einzelne Unternehmen aufgeteilt, sondern gilt als eine große Wirtschaftseinheit mit einem riesigen Netzwerk aus Herstellern, Lagern und Supermärkten.

Dies verleitete die britischen Handelsexperten Phillips und Rozworski in ihrem Buch „People’s Republic of Walmart“ zu der gewagten These, dass Planwirtschaft a la Walmart offensichtlich auch in dieser Größenordnung dank des technischen Fortschritts bestens funktionieren kann. Und sie fragen, was aus den Erfahrungen der Unternehmenswelt auch Nationen oder Gesellschaften lernen können.

16.03.2020
Von: hg

Der „Global Powers of Retailing“-Report.