Reinen Wein zu reinem Wasser

Die Gelsenwasser AG ist eine der Großen, wenn es um die Versorgung mit Trinkwasser in Deutschland geht. Der Ursprung und die Firmenzentrale des Unternehmens mit inzwischen über 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern liegt immer noch in Gelsenkirchen im östlichen Ruhrgebiet. Längst gibt es aber Beteiligungen im gesamten Bundesgebiet und in den Nachbarländern. Entsprechend gut ist auch Ulrich Peterwitz vernetzt, der in dem Unternehmen unter anderem für Wasserkooperationen mit der Landwirtschaft zuständig ist. Netze sind es schließlich auch, um die sich gerade viele Debatten in der Landwirtschaft im Zusammenhang mit der Düngeverordnung drehen. „Die Diskussion um das Messstellennetz ist eine Scheindiskussion, die vom eigentlichen Problem ablenkt“, sagt Peterwitz und klingt etwas resigniert. Detailreich erläutert er, dass auch der Verbund der Wasserversorger in Deutschland ein Messnetz betreibe, natürlich auch andere Dinge neben der Belastung mit Nitrat abprüfe, in dieser Hinsicht aber zu fast deckungsgleichen Ergebnissen komme wie das vom Bund betriebene Netz. Und auch wenn jetzt, wie in unter anderem in NRW von Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) vorgesehen, die Messstellen überprüft und 200 neue in Betrieb genommen werden sollen, werde dabei, ist Peterwitz überzeugt, „im Ergebnis nichts anders herauskommen“. Wer darauf beharre, dass falsch gemessen würde, mache sich etwas vor, so sein deutliches Statement.

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Die Problematik, dass zu viel Nitrat an den zur Trinkwassergewinnung genutzten Brunnen ankommt, gibt es nicht erst seit gestern. Nicht umsonst ist die EU-Nitratrahmenrichtlinie bereits 1991 in Brüssel verabschiedet und fünf Jahre später in deutsches Recht gegossen worden. Seitdem gab es immer Messstellen, die den Grenzwert von 50 mg Nitrat/Liter im Grundwasser gerissen haben. Als Wasserversorger, so Peterwitz, habe man immer das jeweilige Wassereinzugsgebiet im Blick, idealerweise befinde es sich komplett in einem Schutzgebiet. Am Brunnen für die Trinkwasserentnahme komme am Ende alles zusammen. „Wir haben auch schon Brunnen schließen müssen“, sagt der Geologe, weil alle Bemühungen, den Eintrag im Einzugsgebiet zu verringern, sowie auch die technischen Maßnahmen – tiefer bohren – nicht mehr geholfen haben. Peterwitz und Gelsenwasser setzen, wie andere Wasserversorger in Deutschland auch, auf Kooperationen mit der Landwirtschaft im Wassereinzugsgebiet. Angeboten werden, organisiert über die Landwirtschaftskammer NRW, Beratung und bestimmte Maßnahmen, von der Finanzierung des Spritzenwaschplatzes über Gewässerrandstreifen bis hin zur Umstellung auf Ökolandbau, um Pestizid- wie auch Nitrateinträge zu verringern. „Wir haben 30 Jahre Erfahrung mit Kooperationen und haben da absolute Erfolge“, sagt Peterwitz. „Aber bei den Gewässerrandstreifen ist die Resonanz geringer als erhofft, die Umstellung auf Ökolandbau wurde noch gar nicht angenommen.“ Gerade die Umstellung sei besonders wirkungsvoll, sagt er bedauernd, das Beispiel der Stadtwerke München, die seit 1992 solche Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft anbieten, steche da sehr positiv heraus.

Andere Gegend

Im Münchner Umland haben inzwischen 175 landwirtschaftliche Betriebe in Kooperation mit den Wasserwerken auf Ökolandbau umgestellt. Auf der Homepage der Wasserwerke München heißt es dazu: „Das geförderte Trinkwasser enthält Nitratwerte weit unterhalb des gesetzlichen Grenzwerts der Trinkwasserverordnung. Dank der Einführung der Initiative im Mangfalltal konnte der zu Beginn der 90er-Jahre festgestellte Aufwärtstrend der Nitratwerte gestoppt werden.“ Es liege sicher auch an der Struktur der Betriebe, so Peterwitz, die um München anders wirtschafteten als im Münster- oder Rheinland. Trotzdem wünscht er sich auch in „seinem“ Wirkungsgebiet eine zunehmende Offenheit in diese Richtung.

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Wenn es nun um die aktuelle Düngeverordnung geht, ist Ulrich Peterwitz hinsichtlich Instrumenten und Wirkung eher skeptisch. Aus seiner Sicht ist es kontraproduktiv, dass in der jüngsten Novelle auf jegliche Nährstoffbilanzierung verzichtet werden soll. „Wenn wir auch die Regelung von 2017 an der Stelle nicht optimal fanden, wird es nicht besser, wenn sie durch nichts ersetzt wird“, sagt er. Man positioniere sich auf Bundesebene als Wasserversorger schon seit Jahren, finde aber beispielsweise mit der Forderung nach einer flächengebundenen Tierhaltung von 1,5 bis 2 GV/ha „kein Gehör“. Dabei müsse man aber stärker „dahin gehen, wo die Probleme liegen“. Peterwitz sagt, er könne schon auch die Kritik aus der Landwirtschaft, z. B. an der Art und Weise der Ausweisung roter Gebiete, zum Teil verstehen. „Ja, die bisherige Reglung ist da sehr grob, aber auf der anderen Seite liegt die Grenze, bis zu der die Pflanzen gedüngt werden dürfen, auch zu hoch.“ Ähnlich wie Peterwitz äußerte sich auch der Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Karsten Specht, der laut top agrar sagte, selbst wenn die Düngeverordnung nun vom Bundesrat durchgewunken werde und damit in Kraft trete, habe man in Deutschland noch einen weiten Weg zu gehen. Specht wie auch Peterwitz wünschen sich letztlich eine Debatte weg von einzelnen roten Gebieten und hin zu einem Ansatz, in dem die Landwirtschaft auf der ganzen Fläche einen größeren Grundwasserschutz betreibt.

03.03.2020
Von: cs

Gewässerschutz geht nur mit den Bauern Foto:uschi dreiucker_pixelio