Protest von Greenpeace und Bauern gegen Preisdumping der Handelsketten zu Lasten von Erzeugern und Umwelt

Aktion vor dem Kanzleramt für faire Fleischpreise und tiergerechte Haltung

Eine faire Bezahlung nachhaltig erzeugter Lebensmittel durch den Einzelhandel und verlässliche politische Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft zum Schutz von Tieren, Umwelt und Klima fordern Greenpeace-Aktive gemeinsam mit Bäuerinnen und Bauern der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) heute vor dem Kanzleramt in Berlin.

"Billigfleisch kostet uns die Zukunft" steht auf einem 2,5 mal 6 Meter großen Banner, das die Aktivistinnen und Aktivisten mit einem Traktor vor den Regierungssitz gezogen haben. Anlass der Protestaktion ist das Gespräch, zu dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Vertreterinnen und Vertreter der großen Supermarktketten sowie Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) geladen hat. Thema ist die Gestaltung von Preisen und Lieferbedingungen, die die Einzelhandelskonzerne den Bauern diktieren. Die Kanzlerin hat bereits deutlich gemacht, dass die regionale Versorgung mit Lebensmitteln nur möglich ist, wenn die Landwirte dabei auch angemessene Preise erzielen können. "Die Supermarktketten dürfen ihre Marktmacht nicht länger missbrauchen, um rücksichtsloses Preisdumping auf Kosten von Landwirten, Tieren, Umwelt und Klima durchzusetzen", sagt Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Dirk Zimmermann. "Die Produktion von Billigfleisch und Milch zu Weltmarktpreisen drängt die Bauern wirtschaftlich und gesellschaftlich ins Aus", sagt Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der AbL. "Wir brauchen faire Erzeugerpreise und Planungssicherheit für eine artgerechte Tierhaltung." In einem Positionspapier der AbL heißt es dazu: „Die AbL fordert die Politik auf, sich endlich wieder für kostendeckende Erzeugerpreise einzusetzen und den Landwirtschaftssektor nicht Industrie-Interessen auszuliefern, so wie es in Freihandelsabkommen immer wieder der Fall ist. Auch die Marktpartner in Ernährungswirtschaft und Lebensmittelhandel sind aufgefordert, die von ihnen zunehmend geforderten zusätzlichen Leistungen der Betriebe in Landwirtschaft und Gartenbau kostendeckend zu honorieren; Preise müssen die wahren Kosten wiederspiegeln.“

Handel muss Billigfleisch aus dem Sortiment nehmen

Einer aktuellen Handelsabfrage von Greenpeace zufolge stammen im Schnitt 88 Prozent der Frischfleisch-Eigenmarken in Supermärkten aus qualvoller, häufig gesetzeswidriger Haltung. "Edeka, Aldi und Co. müssen endlich aufhören, Fleisch zu verramschen", sagt Zimmermann. Greenpeace fordert den Handel auf, das Fleisch der niedrigsten zwei Haltungsformen aus den Regalen zu nehmen. Von der Bundeslandwirtschaftsministerin erwartet die Umweltschutzorganisation eine verpflichtende Kennzeichnung der Tierhaltung auf allen Fleischprodukten statt eines nur freiwilligen Labels auf Frischfleisch. Um den Umbau der Tierhaltung in Deutschland gezielt zu fördern, hat Greenpeace die Einführung einer zweckgebundenen Tierwohl-Abgabe auf tierische Produkte vorgeschlagen. Mit den Einnahmen könnten Landwirtinnen und Landwirte unterstützt werden, die investieren, um die Haltungsbedingungen in ihren Ställen zu verbessern"Die Bundesregierung muss den Handel dazu bringen, auf Billigpreis-Werbung für Lebensmittel zu verzichten. Wir brauchen einen Qualitäts-Wettbewerb mit fairen Preisen, um ein möglichst breites Angebot an hochwertigen Produkten liefern zu können", sagt Janßen. "Aufgabe der Politik ist es, die Voraussetzungen für eine gesellschaftlich akzeptierte bäuerliche Landwirtschaft zu schaffen, die wertvolle Lebensmittel erzeugt und gleichzeitig Tier-, Umwelt- und Klimaschutz ernst nimmt."

03.02.2020
Von: abl-ev/greenpeace

Fotos: Greenpeace/Grodotzki