Mäuseplage als Folge des Klimawandels

Nicht nur die niedersächsische Land- und Forstwirtschaft muss sich nach Ansicht der Landwirtschaftskammer Niedersachsen aufgrund der veränderten klimatischen Bedingungen, der globalen Erderwärmung, der Trockenheit und fehlender harter Winter auf immer neue Schädlinge einstellen. Aktuell sind laut einer Mitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (NMELV) rund 150.000 Hektar Grünland in Niedersachsen durch eine Mäuseplage völlig zerstört. Das sind etwa 20 Prozent der gesamten Grünlandfläche Niedersachsens (ca. 800.000 Hektar). Besonders betroffen ist die Region an der Küste zwischen Wesermarsch und Ostfriesland.

„Nach zwei Dürrejahren ist die Lage vor allem für die Milchviehhalter besonders schwierig. Ein erneuter Futterausfall droht“, so das Ministerium, dass aus diesem Anlass Landwirte, Verbandsvertreter und Politiker sowie Vertreter der Landwirtschaftskammer Niedersachsen nach Hannover geladen hatte, um gemeinsam mit Mitarbeitern des Niedersächsischen Landwirtschafts- und Umweltministeriums über mögliche Lösungen der Mäuseplage zu sprechen. „Das ist eine bislang nie gekannte Dramatik. Wir wollen hier schnell und unbürokratisch helfen, damit die Funktionalität des Lebensraums wieder hergestellt wird“, stellte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast zu Beginn des Treffens fest. Umweltminister Olaf Lies betonte: „Für alle Entscheidungen brauchen wir die Unteren Naturschutzbehörden. Wir haben einen enormen Zeitdruck mit einem engen Zeitfenster. Auf keinen Fall dürfen wir Grünland willkürlich umbrechen. Aber ohne Umbruch wird es nicht gehen.“

Gemeinsam wurden mögliche Lösungsstrategien zu Neueinsaat erörtert. Zunächst wird eine genaue Kulisse festgelegt. Dabei kommt es besonders darauf an, die Schutzkategorien zu erfassen (z.B. FFH-Gebiet oder Natura 2000). Danach könne man Fallgruppen einteilen und Anträge kategorisiert abarbeiten. Definitiv fest steht, dass jeder Einzelfall geprüft und genehmigt werden muss. Das schreibt unter anderem das EU-Förderrecht vor.

Alle Beteiligten versicherten, dass sie im Sinne des Grünlanderhalts den strammen Zeitplan einhalten wollen. Eine weitere Dienstbesprechung mit den Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise, Vertretern der Ministerien und der Landwirtschaftskammer soll am 7. Februar folgen.

Fachleute beziffern die Verluste in der Landwirtschaft laut Angaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit drei Euro pro Maus, wenn aus dem Gras Silage als Rinderfutter gewonnen werden soll. Die Schäden entstehen insbesondere durch den unterirdischen Fraß der Tiere, der die Grasnarbe zerstört und die oberirdische Blattmasse absterben lässt. Dadurch leiden Hygiene und Qualität des Futters. Wo kein Gras mehr wächst, siedeln sich Unkräuter an, und schnell können sich minderwertige Weiden entwickeln.

30.01.2020
Von: FebL/PM

Viele Grünlandbetriebe in Niedersachsen beklagen derzeit eine massive Mäuseplage. Foto: Landwirtschaftskammer Niedersachsen/Dr. Christine Kalzendorf