„Ein Signal, das die Politik ernst nehmen sollte“

Einen Tag vor der „Wir haben es satt!“-Demonstration (WHES-Demo) hatte die Initiative „Land schafft Verbindung“ (LsV) zu einer Trecker-Demonstration in Berlin und an weiteren Orten bundesweit aufgerufen. Insgesamt sollen nach LsV-Angaben bis zu 20.000 Trecker bundesweit auf der Straße gewesen sein. Einer der Redner der LsV-Demonstration in Berlin war auch Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und Anmelder der WHES-Demo am 18.01.. Im Gegenzug sprach auf der WHES-Demo mit Tilo von Donner auch ein LsV-Vertreter. Für Georg Janßen „ein Signal, das die Politik sehr ernst nehmen muss“, sagt er auf der LsV-Demo. „Wir sind uns nämlich einig, dass wir unsere Höfe verteidigen müssen. Und dafür gehen wir heute auf die Straße und dafür gehen wir morgen auf die Straße“, so Janßen.

Deutliche Kritik übt Georg Janßen an der häufig gehörten Aufteilung der beiden Demonstrationen in Schubladen, wenn beispielsweise gesagt werde: „Heute rollen die Schlepper in Berlin, konventionelle Landwirte, gegen Umweltschutz und gegen Klimaschutz. Und morgen rollen die Schlepper der Ökolandwirtschaft zusammen mit der Gesellschaft für Klimaschutz und für Umweltschutz“. Dieses „Spiel“ warf er auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner vor. Die hatte zuvor in einem Interview mit dem Tagespiegel gesagt: „Zur Grünen Woche wird es mehrere Demonstrationen auch von Landwirten geben, mit unterschiedlichen Ansätzen, die einen demonstrieren quasi gegen die anderen“. Janßen dazu: „So hätte es die Ministerin gerne. Weil dann kann sich Politik zurücklehnen und sich in die Moderatorenrolle begeben oder als Konfliktmanager oder als Psychotherapeutin zwischen Bauern“. Er fordert die Ministerin auf „Handeln statt Moderieren ist angesagt“.

Ein „Weiter so“ wie bisher mit dem Postulat der Kostenführerschaft für die Landwirtschaft auf dem Weltmarkt und angesichts der Ressourcenverschwendungsgesellschaft und den Herausforderungen aus dem Klimawandel werde es nicht geben. Bauern und Bäuerinnen sollten sich da „nicht zurückziehen“, sondern eine „aktive Rolle einnehmen“ und nennt dafür sechs Themenfelder, wo sich die Bauern und Bäuerinnen einig sein sollten. Das Eintreten für faire Preise, indem die Politik einen entsprechenden Rahmen setzen muss und auch die Molkereien und Fleischunternehmen in der Verantwortung stehen. Einen fairen internationalen Handel mit Ablehnung des Mercosur-Abkommens aber auch einer Änderung der EU-Exportstrategie, denn „es kann nicht sein, dass wir zu billigsten Preisen Märkte von afrikanischen Bauern, von südamerikanischen Bauern, von asiatischen Bauern kaputt machen“. Auch zu einem klimaschonenden Ackerbau und einer artgerechten Tierhaltung sieht Janßen die Bauern und Bäuerinnen in der Lage und da sollten sie sich einig sein, „aber wir brauchen dafür auch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“. Erforderlich sei ferner eine EU-Agrarreform, die, wie es schon LsV-Sprecher Dirk Andresen formuliert habe, allen Beitriebe eine Chance biete, in der Produktion zu bleiben statt den Ausstieg vorzubereiten. Und als letzten Punkt nennt Janßen die Bodenpolitik. Auch hier sieht er die Politik in der Verantwortung und Einigkeit unter den Bauern und Bäuerinnen, wonach auch mit Blick auf außerlandwirtschaftliche Investoren gelte „Bauernland in Bauernhand“.

Tilo von Donner zeigte sich auf der WHES-Demo „glücklich“ und erfreut darüber „hier so freundlich empfangen zu werden“. Die vielen Trecker auf den Straßen und die entstandene Bewegung solle genutzt werden, um über die Zukunft ins Gespräch, in den Dialog über eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu kommen, die Kräfte zu bündeln und „uns nicht mehr von der Politik trennen lassen“. Es müsse ein Ende haben, „dass die Politik Keile zwischen uns treibt“. Die Zeit sei „reif, dass wir uns annähern., dass wir zusammenkommen, dass wir Schnittmengen, die auf jeden Fall da sind, auch nach vorne stellen, und aus diesen heraus einen Dialog entwickeln, und gemeinsam nach vorne kommen“. Er will weg vom schwarz-weiß-Denken. „Wenn ich mir das hier angucke, dann sehe ich doch wie bunt wir sind. Das ist doch Wahnsinn. Da ist so viel Farbe drin, das müssen wir nutzen“, erklärt der LsV-Vertreter. Gemeinsam gelte es Visionen und Leitbilder zu entwickeln.

Für ein „mutiges und visionäres“ Bild von einer zukünftigen Landwirtschaft plädiert auf der WHES-Demo auch Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bunds Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) gegenüber agrarheute. „Wie sollen wir denn mit der Gesellschaft darüber reden, wie es in Zukunft aussehen soll, wenn wir nicht dieses Bild entwickeln. Und dann sind wir auch wieder zurück im Gespräch und dann können wir uns darüber austauschen, welches der richtige Weg ist“, so der BÖLW-Vorsitzende. Und mit Hinweis auf den AbL-Vertreter bei der LsV-Demo und den LsV-Vertreter auf der WHES-Demo erklärt er: „Damit können wir schon ein Zeichen setzen. Dieses Bild, was auch von unserer Landwirtschaftsministerin gezeichnet wird, hier würden die einen gegen die anderen demonstrieren, ist falsch. Wir demonstrieren aus verschiedenen Blickwinkeln mit verschiedenen Herangehensweisen, aber wir demonstrieren für eine Zukunft die gesamt, die mit den Bauern stattfindet. Darum geht es“.

20.01.2020
Von: FebL

Georg Janßen spricht auf der Demonstration von "Land schafft Verbindung"(LsV) am 17.01. und Tilo von Donner als LsV-Vertreter spricht auf der "Wir haben es satt!"Demo, worüber beispelsweise auch der Tagesspiegel online berichtet. Fotos: tagesspiegel video; FebL