AbL: Ackerbaustrategie – Veränderungen ermöglichen und vorantreiben

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) sieht Ackerbäuerinnen und Ackerbauern in Deutschland mit schwerwiegenden Herausforderungen konfrontiert. Diese sowie Lösungsansätze und politische Forderungen hat sie in einem jetzt in Berlin vorgestellten AbL-Positionspapier unter dem Titel „‘Optimum statt Maximum‘ als Leitlinie“ präsentiert.

Bei der Vorstellung des neuen AbL-Positionspapiers nannte der Vorsitzende Martin Schulz als Herausforderung u.a. die zunehmenden Wetterextreme: „Als Bäuerinnen und Bauern sind wir vom Klimawandel unmittelbar wirtschaftlich betroffen. Gleichzeitig müssen wir auch selbst einen größeren Beitrag zum Klimaschutz leisten.“ Die abnehmende Wirksamkeit und Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln bzw. zunehmende Resistenzen etwa beim Ackerfuchsschwanz stellten weitere pflanzenbauliche Herausforderungen dar. „Besonders schwerwiegend sind für viele Betriebe die notwendige Verringerung von regional bzw. einzelbetrieblich zu hohen Nährstofffrachten, ein größerer Einsatz zum Erhalt der Artenvielfalt, aber auch der Flächenverlust durch Versiegelung und die stark gestiegenen Bodenpreise“, so Schulz.

Die AbL nennt in ihrem Papier zentrale ackerbauliche Lösungsansätze. Jan Wittenberg, Mitglied im Bundesvorstand, betonte die große Bedeutung einer vielfältigen Fruchtfolge: „Der bewährte Wechsel von Blatt- und Halmfrüchten, Winter- und Sommerungen, Tief- und Flachwurzlern sowie Ackerfutterbau beugen der Ausbreitung von Problempflanzen und damit auch Resistenz­en vor. Zusammen mit einer zielführenden und zeitlich abgestimmten Bodenbearbeitung, der Aktivierung des Bodenlebens und der Förderung von Nützlingen ist die Fruchtfolgegestaltung maßgeblich, um den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln erheblich zu verringern. Die Technik zur wirksamen mechanischen Beikrautregulierung steht bereit“, so Wittenberg. Um Nährstoffüberschüsse zu vermeiden, müsse die Tierhaltung flächengebunden und artgerecht weiterentwickelt werden. Um widerstandsfähige und gesunde Pflanzenbestände zu erreichen, müsse sich die Düngung am Optimum und nicht an Maximalerträgen orientieren, mahnte der Ackerbauer.

Damit die Betriebe die Herausforderungen meistern können, forderte die AbL-Vorsitzende Elisabeth Fresen eine ehrgeizige und umfassende Ackerbaustrategie der Bundesregierung. „Diese Ackerbaustrategie muss klare und anspruchsvolle Ziele für den Umwelt-, Klima- und Artenschutz im Ackerbau für die nächsten 10 bis 20 Jahre im Konsens mit allen Beteiligten benennen. Alle müssen wissen, worauf sie sich einlassen und verlassen können. Zudem brauchen wir eine belastbare Abschätzung der damit verbundenen Kosten“, erklärte Fresen.

„Ein Teil der Mehrkosten kann und muss durch ein Umsteuern der heute pauschal pro Hektar gewährten EU-Direktzahlungen gedeckt werden“, so Fresen. „Gefördert werden sollte nicht mehr schlicht der Hektar Fläche, sondern eine vielfältige Fruchtfolge, der Anbau von Leguminosen, der Erhalt und die Neuanlage von Hecken, Randstreifen und anderen Landschaftselementen. Auch vielfältige Flächenstrukturen und eine flächengebundene artgerechte Tierhaltung sind gezielt zu honorieren. Dazu haben wir ein einfaches Punktesystem vorgelegt. Wir fordern die Bundesregierung auf, das bei der aktuellen EU-Agrarreform aufzunehmen“, so die AbL-Vorsitzende. Für Mehrkosten, die nicht durch das Umsteuern der Agrarpolitik gedeckt werden, schlägt die AbL die Einrichtung eines Ackerbaufonds vor, in den die Handelspartner der Bäuerinnen und Bauern und der Einzelhandel einzahlen sollten.

Zu ihrer Pressekonferenz in Berlin hatte die AbL externe Experten geladen, um ihre Vorschläge direkt zu kommentieren. Frank Klingenstein vom Bundesumweltministerium sagte, die von der AbL vorgetragenen Forderungen legten die Messlatte für die Ackerbaustrategie der Bundesregierung hoch. Martin Hofstetter von Greenpeace äußerte ebenfalls Zustimmung zu wesentlichen Inhalten im AbL-Papier, vermisst aber detailliertere Aussagen insbesondere dazu, wie das Potenzial der Landwirtschaft zur Kohlenstoffspeicherung in den Böden ausgeschöpft werden könne. Auch zur notwendigen Senkung von Ammoniakemissionen und zu den erforderlichen stärkeren Biodiversitätsmaßnahmen wünscht sich der Umweltexperte konkretere Angebote aus der Landwirtschaft.