Hitzewellen bedrohen Ernten in mehreren Kornkammern gleichzeitig

Gleichzeitige Hitzewellen in mehreren Kornkammern der Welt könnten die Ernteerträge einbrechen und die Lebensmittelpreise in die Höhe schnellen lassen. Davor warnt ein internationales Team von Wissenschaftlern in einer Studie, die am 9. Dezember im Fachjournal „Nature Climate Change“ veröffentlich wurde. Besonders stark von den Ernteeinbrüchen betroffen sein könnten der Westen Nordamerikas und Russlands, Westeuropa und die Ukraine. Für die Studie werteten die Wissenschaftler Klimadaten aus den Jahren 1979 bis 2018 aus. Sie konzentrierten sich auf bestimmte Wellenmuster im Jetstream, einem Höhenwind, der Wettersysteme von Ost nach West transportiert. Durch die Luftströmung des Jetstream können große Schlängelungen nach Nord und Süd entstehen, sogenannte Rossby-Wellen. Welle 5 zieht tendenziell über das Zentrum Nordamerikas, Osteuropa und den östlichen Teil Asiens; Welle 7 bewegt sich über das Zentrum und den Westen Nordamerikas, Westeuropa und Westasien. Die Wellenmuster haben eines gemeinsam: Sie können über Wochen an einer Stelle verharren und die Temperaturen ansteigen lassen. Die Hitzegebiete und Dürren werden an einem Ort festgehalten und Regenfälle bleiben aus. Das wirkt sich fatal auf die Ernteerträge aus und kann aufgrund von steigenden Lebensmittelpreisen auch zu sozialen Unruhen führen, warnen die Autoren.

„Wir haben eine bislang unterschätzte Anfälligkeit des Nahrungsmittelsystem entdeckt: Wenn diese Muster im Jetstream weltweit auftreten, haben wir ein zwanzigfach erhöhtes Risiko für gleichzeitige Hitzewellen in wichtigen Anbaugebieten“, erklärt Hauptautor Kai Kornhuber vom Earth Institute in New York. „Eigentlich ist die Zirkulation des Jetstream chaotisch, aber bei derartigen Ereignissen ergibt sich tatsächlich eine globale Ordnung“, so Kornhuber, der auch Gastwissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist. Das Bedrohliche an den Mustern sei „das zeitlich synchronisierte Auftreten von Extremen“. Denn die betroffenen Kornkammern sind verantwortlich für bis zu einem Viertel der globalen Nahrungsmittelproduktion. „Normalerweise geht man davon aus, dass geringe Ernteerträge in der einen Region durch gute Ernteerträge in einer anderen Region ausgeglichen werden“, erläutert Dim Coumou von der Freien Universität Amsterdam und vom PIK. „Aber diese planetaren Wellen können zu Ernteeinbußen in mehreren wichtigen Kornkammern gleichzeitig führen – mit entsprechenden Risiken für die globale Nahrungsmittelversorgung.“

Hitzewellen in den Jahren 1983, 2003, 2006, 2012 und 2018 zeigten bereits die Auswirkungen auf die Erträge. „In Jahren, in denen dieses verstärkte Muster der planetaren Wellen in zwei oder mehr Sommerwochen zu beobachten war, sank die Getreideproduktion in einzelnen Regionen um mehr als 10% ab“, sagt Mitautorin Elisabeth Vogel von der Melbourne University. „Im Durchschnitt über alle betroffenen Anbaugebiete hinweg sank sie um 4% ab.“ Die Folge waren meist höhere Getreidepreise. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass durch den Klimawandel die Wellen künftig noch verstärkt werden könnten. „Die Hitzewellen werden künftig durch die menschengemachte globale Erwärmung häufiger gleichzeitig verschiedene Gegenden über den Globus verteilt treffen, und sie werden auch noch heftiger werden“, betont Mitautor Jonathan Donges vom PIK. „Das wirkt sich unter Umständen nicht nur auf die Nahrungsmittelverfügbarkeit in den direkt betroffenen Regionen aus. Sogar entlegenere Regionen können in der Folge von Knappheiten und Preissteigerungen betroffen sein.“ Den Wissenschaftlern zufolge ist ein gründliches Verständnis der Faktoren, die das Jetstream-Verhalten beeinflusse, notwendig, um saisonalen Prognosen für die globale Agrarproduktion treffen zu können und Risikobewertungen von Ernteausfällen in den Hauptanbauregionen anfertigen zu können, wie etwa die Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise und die Ernährungssicherheit weltweit. (ab)

Eine Meldung von weltagrarbericht.de

11.12.2019
Von: ab/weltagrarbericht.de

Wenn Wasser fehlt und es nur noch staubt. Foto:FebL