AbL: Geringe Milchpreiserhöhung ist Verhöhnung der Milcherzeuger durch Handel und Molkereien

Anfang November hat Aldi anlässlich der jüngsten Verhandlungsrunde zwischen Molkereien und Handel den Preis für Trinkmilch um 2 Cent je Liter erhöht. Konsummilch konventionell (ESL und H-Milch) kostet den Verbraucher jetzt 73 Cent (Vollmilch mit 3,5 Prozent Fett) und 65 Cent (fettarm mit 1,5 Prozent Fett). Konsummilch „Bio“ wurde um 4 Cent/Liter angehoben und steht jetzt mit 1,09 Euro/Liter (Vollmilch mit 3,8 Prozent Fett) bzw. mit 99 Cent/Liter (fettarm mit 1,5 Prozent Fett) im Regal. Für Ottmar Ilchmann, Milchbauer aus Niedersachsen und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Niedersachsen Anlass für deutliche Kritik. „Die Milchbauern müssen schon das ganze Jahr trotz ständig steigender Kosten, nicht zuletzt durch höhere Auflagen und trotz einer wieder durch die Trockenheit sehr angespannten Futtersituation mit einem Milchpreis leben, der sich mit knapp über 30 Cent 10 Cent unterhalb der Kostendeckung bewegt. Vor diesem Hintergrund wirkt der minimale Preisanstieg für Trinkmilch, der einen noch geringeren Anstieg des Rohmilchpreises zur Folge haben wird, wie eine Verhöhnung durch Handel und Molkereien“, so Ilchmann.

Auch der Milcherzeugerverband Bayern (VMB) sieht angesichts der Ergebnisse der jüngsten Verhandlungsrunde die Milcherzeugerpreise bestenfalls stabilisiert. „Die Erwartungen nach deutlich steigenden Milchpreisen, vor allem auch durch die eher unterdurchschnittliche Milchanlieferung im bisherigen Jahresverlauf in Deutschland, werden damit leider nicht erfüllt“, heißt es beim VMB.

„Interessant“ Ist für den VMB „auch diesmal der Blick auf die Preisentwicklung bei den Sondermilchen bei Aldi Süd wie ‚Meine Bayerische Bauernmilch‘ mit dem Regionalfenster und dem Label der Einstiegsstufe des Deutschen Tierschutzbundes versehen“. Dort gab es laut VMB - nach der überraschenden leichten Preisrücknahme um 1 Cent im Frühjahr - keine Preisänderungen. Der Liter koste nach wie vor 79 Cent (ESL-Vollmilch mit 3,8 Prozent Fett) und 69 Cent (ESL-fettarm mit 1,5 Prozent Fett). Damit wurde die Differenz zwischen der Eigenmarke ohne gesonderte Auslobung des Tierwohls auf 6 Cent (bei Vollmilch) und nur noch 4 Cent (bei fettarmer Milch) weiter zusammengestaucht. Es wird für den VMB in den kommenden Tagen interessant sein zu beobachten, ob ALDI-Konkurrent LIDL weiter bei seinen 10 Cent Mehr(wert)preis zwischen seiner Konsummilch der Eigenmarke "Milbona" und seiner Programmmilch "Ein gutes Stück Bayern" bleiben wird, die im Gegensatz zu Aldi mit dem Tierschutzlabel der Premiumstufe ausgelobt wird.

08.11.2019
Von: FebL/PM

Aldi-Süd hat mit geringen Milchpreiserhöhungen auf die jüngsten Vertragsverhandlungen zwischen Handel und Molkereien reagiert. Foto: Aldi-Süd