Straßburg: Menschen aus 15 europäischen Ländern für nachhaltige EU-Agrarreform

Etwa 1000 Menschen – Bauerinnen und Bauern im Schulterschluss mit der Zivilgesellschaft – haben am 22. Oktober vor dem EU-Parlament in Straßburg für eine nachhaltige EU-Agrarreform demonstriert. Vor dem Parlamentsgebäude machen die Teilnehmer aus 15 europäischen Ländern deutlich: Mit den Fördergeldern aus der EU-Agrarpolitik (GAP) müssen künftig kleine und mittlere Landwirtschaftsbetriebe fit für die Agrarwende gemacht werden. Für sie ist klar: Die pauschalen Flächensubventionen sind nicht mehr zeitgemäß. Die 60 Milliarden Euro pro Jahr, über deren Neuverteilung die EU gerade verhandelt, müssen den Bauernhöfen Anreize für mehr Tier-, Umwelt- und Klimaschutz bieten. Statt die Bauern bei den wichtigen Zukunftsaufgaben weiter im Stich zu lassen, muss die Politik ihnen finanziell unter die Arme greifen. „Die EU muss jetzt die Agrarwende anpacken. Die Klimakrise und das dramatische Artenster­ben erlauben keine weitere verschenkte GAP-Periode“, sagt Saskia Richartz, Sprecherin des „Wir haben es satt!“-Bündnisses. Mit den Agrar-Subventionen könne die Landwirtschaft in den nächsten Jahren klimafreundlich umgebaut werden. „Frau Klöckner und Frau von der Leyen, sorgen Sie dafür, dass der Agrarindustrie ein für alle Mal der Geldhahn zu­gedreht wird. Enkeltaugliche Agrarpolitik heißt: Fördergelder nur noch für bäuerliche Betriebe, die Umwelt und Klima schützen, Tiere artgerecht halten und gutes Essen für uns alle herstellen“, appelliert Saskia Richartz. Und Wolfgang Hees, stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in Baden-Württemberg, ergänzt: "Gemeinsam mit unseren französischen Berufskollegen fordern wir heute von der EU eine Agrarpolitik für bäuerliche Betriebe, die unsere wirtschaftliche Existenz sichert“. Statt weiter mit EU-Subventionen die Agrarindustrie zu fördern müsse die Politik endlich bäuerliche Leistungen für Klima-, Arten-, Tier- und Umweltschutz gerecht und zielgerichtet honorieren. „Sonst verlieren wir massiv kleine und mittlere Betriebe, die gutes Essen produzieren. Das ist sozial, ökono­misch und ökologisch untragbar. Deshalb protestieren überall in Europa viele Bäuerinnen und Bauern", so Wolfgang Hees. Die Demonstration war bereits am Morgen auf deutscher Seite in Kehl gestartet. Bauern aus Frankreich und Deutschland führten mit ihren Traktoren den Demonstrationszug ins Straßburger Zentrum an. Angekommen am EU-Parlament übergaben die Demonstranten ihre Forderungen an die Parlamentarier und machten mit einem „Die-In“ auf die alarmierende Lage von Landwirtschaft, Umwelt und Klima aufmerksam.
Initiiert wurde die Demonstration von dem französischen Bündnis „Pour une autre PAC“ (dt. Für eine andere GAP) und dem „Wir haben es satt“-Bündnis, die auf beiden Seiten des Rheins für den Umbau der Landwirtschaft eintreten. Sie findet im Rahmen des #GoodFoodGoodFarming-Aktionsmonats statt, während dem es rund 100 Aktivitäten in 22 europäischen Ländern gibt. Während der Demonstration erklärten mehrere EU-Abgeordnete, darunter Maria Noichl von der SPD und der grüne Martin Häusling, ihre Solidarität mit den Demonstranten.
24.10.2019
Von: FebL/PM

Menschen aus 15 europäischen Ländern demonstrierten in Straßburg für eine nachhaltige EU-Agrarpolitik. Etliche EU-Abgeordnete wie zum Beispiel Maria Noichl (SPD) und der grüne Martin Häusling erklärten sich solidarisch. Fotos: wir haben es satt; Gudrun Engel