KLJB: Die GAP muss bäuerliche Familien stärker unterstützen

Mit Blick auf die Unruhen auf den Straßen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland, auf Protest, Frust und Existenznot in der Landwirtschaft beobachtet die Katholische Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB) mit Sorge, dass weitere bäuerliche Familienbetriebe vor dem Aus stehen.

„Die Bundesregierung hat in diesem Jahr viele Veränderungen angekündigt, die zahlreiche Betriebe vor große Herausforderungen stellen werden“, erläutert KLJB-Bundesvorsitzende Sarah Schulte-Döinghaus. „Dass die Landwirtschaft vor großen Umbrüchen steht, ist nicht neu. Viele Landwirt*innen wollen den Wandel selbst mitgestalten und den Anforderungen an Tierhaltung, Ackerbau oder Grünlandnutzung gerecht werden, stehen wirtschaftlich aber mit dem Rücken zur Wand“, so die KLJB-Bundesvorsitzende.

Die nationale Gesetzgebung ist dabei für die KLJB nur eine Seite der Medaille. „Um gleichwertige und gute Lebens- und Arbeitsbedingungen für Landwirt*innen in ganz Europa zu schaffen, muss auch die Gemeinsame Agrarpolitik der EU eine regionale, klein- und mittelstrukturierte Agrarlandschaft unterstützen“, erklärt Sarah Schulte-Döinghaus.

Mit Blick auf die Handelspolitik der EU, die weiterhin stark auf den Abschluss neuer Freihandelsabkommen ausgerichtet ist, sieht die KLJB die Gefahr der gegenseitigen Anerkennung niedrigerer Standards, wodurch insbesondere in der Lebensmittelproduktion eine deutlich größere Konkurrenz von Produkten auf dem Markt zu erwarten ist. „Dieser verschärfte Wettbewerb wird auf dem Rücken der Bäuer*innen ausgetragen. Mit dem Wegfall gewachsener regionaler Wirtschaftskreisläufe und daran gekoppelter Arbeitsplätze, einem Verlust von Perspektiven der Landbevölkerung und einer Zunahme der Landflucht muss in der Folge gerechnet werden. Als demokratisch und partizipativ organisierter Jugendverband setzen wir uns für unsere Schöpfung ein, achten Menschenrechte, haben Generationengerechtigkeit im Blick und handeln nach ökologischen, fairen, saisonalen sowie regionalen Kriterien. Dies muss sich auch in der europäischen Handelspolitik widerspiegeln, damit bäuerliche Familien nicht zusätzlich belastet werden“, so Sarah Schulte-Döinghaus weiter.

„Die Proteste zeigen die Not der Bäuer*innen. Deshalb ist der Dialog zwischen Landwirt*innen, Politik*innen und Verbraucher*innen von großer Bedeutung. Nur so erreichen wir ein gegenseitiges Verständnis und können negative Entwicklungen, wie das sogenannte ‚Bauern-Bashing‘ verhindern“, ergänzt die Bundesvorsitzende. Die KLJB setzt sich deshalb für ein stärkeres Verantwortungsbewusstsein bei Produzent*innen, verarbeitenden Betrieben, dem Einzelhandel sowie bei Verbraucher*innen ein und möchte die Rolle der Landwirtschaft in der Gesellschaft noch stärker hervorheben. „Dazu gehören für uns eine faire Entlohnung und in der Konsequenz höhere Lebensmittelpreise sowie ein verantwortungsvoller Umgang aller Beteiligten mit den eingesetzten Ressourcen wie Boden, Luft, Wasser, Tiere und Pflanzen sowie den arbeitenden Menschen“, macht Sarah Schulte-Döinghaus abschließend deutlich.