AbL zur Waldpolitik: Ursache Klimawandel wird nicht angegangen

Angesichts der „sehr ernsten Lage“ hat sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner für ein „groß angelegtes, nachhaltiges Wiederaufforstungs- und Anpassungsprogramm mit standortangepassten Bäumen für robuste Mischwälder“ ausgesprochen. Anlässlich des Waldgipfels hat sie 800 Mio. Euro an Hilfsgeldern angekündigt und ein Diskussionspapier „Eckpunkte und Maßnahmen“ vorgelegt, in dem es heißt: „Die BMEL Eckpunkte und Maßnahmen dienen der weiteren Orientierung, um die akuten Schäden zu bewältigen, geschädigte Wälder schnellstmöglich wieder zu bewalden sowie die Wälder in Deutschland in ihrer Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel insgesamt zu stärken.“ Und auch aus den Bundesländern kommen Hilfssignale für den Wald. So verkündet beispielsweise das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) in einer ‚Schmallenberger Erklärung‘: „Neben der Ad-hoc-Hilfe zur Schadensbewältigung unterstützt die Landesregierung den Aufbau von vielfältigen, stabilen und klimaresilienten Wäldern.“

Für Gregor Kaiser, Waldbauer im Landesvorstand der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in NRW, muss es jetzt aber nicht nur um die Anpassung an den Klimawandel gehen sondern auch um eine „massive Bekämpfung“ des Klimawandels. "Eckpunktepapier und über 500 Mio. Euro der Bunderegierung für die Waldbauern, Schmallenberger Erklärung und 100 Millionen Euro über 10 Jahre verteilt der Landesregierung für die Waldbauern, man könnte meinen, die Politik hat das Problem des sterbenden Waldes und der Existenznöte vieler Waldbesitzer erkannt und handelt konsequent“, erklärt Kaiser. Und fährt fort: „Ja, den Waldbesitzern wird so ein wenig geholfen, aber an die Ursache gehen weder Landes- noch Bundesregierung: die massive Bekämpfung des Klimawandels. Dazu findet sich so gut wie nichts in den Programmen. Ja, borkenkäferbefallenes Holz sollte aus den Wäldern, aber aus ökologischer Sicht ist eine Kompletträumung auch höchst problematisch. Ja, die Waldbesitzer brauchen Geld für Wiederaufforstung. Aber wenn es nicht regnet nützt das nicht.“

Und Kaiser sieht weiteren Handlungsbedarf. „Dass die Fichte keine Zukunft bis 400 oder gar 500 Höhenmeter hat, scheint Konsens. Aber welche Baumarten sollen gepflanzt werden? Abwarten wie sich der Klimawandel entwickelt, scheint derzeit nicht die schlechteste Alternative. Und dafür braucht es mit Einschränkungen eine Änderung des Bundes- und des Landeswaldgesetzes. Die Wiederaufforstungsverpflichtung innerhalb von 3 Jahren muss gelockert werden. Holz einsparen ist angesagt. Und intensives Nachdenken darüber, wie die Waldbesitzer über den (nun nicht mehr vorhandenen) Holzertrag hinaus, mit dem Wald und die durch ihn erbrachten Gemeinwohlleistungen ein Einkommen erwirtschaften können. Und vielleicht muss man auch eine Debatte darüber führen, wie Eigentum in Zeiten des Klimawandels zu verstehen ist", so Gregor Kaiser abschließend.

30.09.2019
Von: FebL

Die Waldpolitik muss auch die Bekämpfung des Klimawandels aktiv betreiben. Foto: FebL