Aktion „1000 Traktoren“ – Zeichen der Solidarität der europäischen Milchviehhalter

Im belgischen Ciney trafen sich am 16. September die europäischen Vertreter der Milcherzeuger zur Aktion "1000 Traktoren". Wie vor 10 Jahren, als 3 Millionen Liter Milch auf die Felder ausgebracht wurden, haben sich auch diesmal aus ganz Europa die MilcherzeugerInnen mit Traktoren hier versammelt, um gegen die immer noch unfairen, nicht kostendeckenden Milchpreise zu demonstrieren. Hinzu kamen viele Landwirte aus anderen Agrarsektoren, die ebenfalls gegen die unfaire, nicht nachhaltige Agrarpolitik demonstrierten.

Für Erwin Schöpges, Vorsitzender des European Milk Board (EMB) und belgischer Milcherzeuger, sind die damaligen Streikereignisse ein sehr wichtiger historischer Moment für die Milcherzeugerinnen und Milcherzeuger in Belgien und den anderen Ländern. „Eine einmalige Solidarität zwischen den Milchproduzenten und den Verbrauchern ist damals entstanden. Eine solche Aktion hatte es nie zuvor gegeben und darauf können wir stolz sein.“ Sieta van Keimpema, die EMB-Vizepräsidentin, richtet ergänzend das Wort an die heutige Milcherzeugergeneration: „Schau dir an, was in den letzten 10 bis 20 Jahren auf deinem Betrieb passiert ist. Schau dir dein Einkommen an, die Situation deiner Familie, die Stunden, die du arbeitest, und wie sozial dein Leben noch ist. Wenn du siehst, dass dein Leben nicht besser geworden ist, obwohl du so viel gearbeitet hast, dann schließ dich den Bauern an, die etwas ändern wollen. Und zwar in deinem Interesse, das auch dem Interesse vieler anderer internationaler Bauern entspricht. Miteinander kämpfen ist der einzige Weg zur Besserung und ein Weg gegen das Bauernsterben, das wir seit Jahren sehen. Steh auf, wenn du ein Bauer bist!“

In den vergangenen 11 Jahren sind nach Ansicht des EMB im Milchsektor sicherlich Schritte getan worden. Aber man sehe auch, was passiert, wenn noch nicht ausreichend reagiert wird: Krasse Preiseinbrüche finden bei der Milch auch nach den Streiks weiter statt. Familienbetriebe verschwinden immer mehr, obwohl sowohl sozialpolitisch als auch klimatechnisch eindeutig klar ist, wie wichtig diese Familienstrukturen sind.
Die europäische Milchpolitik braucht laut EMB unbedingt ein wirksames Kriseninstrument, wie von EMB und Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) vorgeschlagen. Ein Instrument, das diese Preiseinbrüche unterbindet, so dass die Milchproduktion nicht weiter mit schmerzhaftem Verlustgeschäft gleichgesetzt werden muss. Damit die Landwirtschaft für ihre LandwirtInnen und insbesondere auch die Jugend wieder eine Perspektive bietet. „Dafür haben die Milcherzeuger bereits 2008 und 2009 während der Milchstreiks gekämpft und dafür kämpfen sie auch heute entschlossen weiter“, heißt es beim EMB.

Zur Aktion in Ciney erklärt Stefan Mann, BDM-Bundesvorsitzender: „Unmöglich Scheinendes wurde möglich: Wir erinnern uns alle gerne und mit Stolz an die nun 10 bzw. 11 Jahre zurückliegenden Aktionen von uns milchviehhaltenden Betrieben. Ende Mai 2008 hat unserer damaliger Vorsitzender Romuald Schaber in Freising vor 15.000 gespannt auf das Startsignal wartenden Bäuerinnen und Bauern erklärt, dass er ab sofort seine Milchanlieferung einstellt. Gefolgt sind neun mit beispiellosem Engagement, hohen Emotionen und zunehmender Ratlosigkeit auf Ebene der Molkereiwirtschaft gefüllte Tage. Wir alle sind über uns hinausgewachsen. Schlaf war Mangelware. Neben der Einstellung der Milchanlieferung waren auch die Unterbrechung der Milchströme aus anderen EU-Ländern sehr herausfordernde Aufgaben für die engagierten Kämpferinnen und Kämpfer in allen Landesteilen.

Ein Jahr später, im Herbst 2009, rollte die zweite heiße Phase der Proteste an, dieses Mal nicht von uns in Deutschland angetrieben, sondern von unseren Freunden aus unseren Nachbarländern. Die Bilder wurden noch wuchtiger, denken wir nur an die große Sprühaktion im belgischen Ciney.
Ohne diese heißen Phasen der Milchbauernproteste würde man heute nicht mehr über die Milchproblematik reden. Es gäbe kein Milchpaket, keine Diskussionen um die zukünftige Gestaltung des Milchmarktes, keine Sektoruntersuchung Milch eines Bundeskartellamts, keine wegweisenden Beschlüsse des Agrarausschusses des EU-Parlaments, es würde nicht über eine wirtschaftlich nachhaltige Milchviehhaltung und vieles mehr debattiert.
Was wir in den Jahren 2008/2009 mit Wucht ausgelöst haben, wollen wir weiterführen mit unseren nicht zu widerlegenden Argumenten und einer nicht für möglich gehaltenen Durchhaltekraft. Seien wir aber auch jederzeit bereit, die Wucht von Aktionen in der Öffentlichkeit wieder zu nutzen.“

19.09.2019
Von: FebL/PM

Teilansicht der Aktion 1000 Traktoren in Ciney. Foto: EMB