Gentechnik-Mücken außer Kontrolle

Gentechnik-Insekten breiten sich in Brasilien aus

Nach aktuellen Forschungsergebnissen haben Freisetzungsversuche mit
Gentechnik-Mücken der Firma Oxitec (Intrexon) in Brasilien dazu geführt, dass sich diese
unkontrolliert in der Umwelt ausbreiten. Die Ägyptischen Tigermücken (Aedes aegypti) sind
gentechnisch so verändert, dass ihre Nachkommen nicht lebensfähig sind. Nach ihrer
Freisetzung sollten sich diese mit wildlebenden weiblichen Mücken dieser Art paaren, die
gefährliche Krankheiten wie Dengue-Fieber übertragen. Es war beabsichtigt, auf diese Weise
die natürliche Mückenpopulation zu dezimieren. Doch die jetzt veröffentlichte Untersuchung
zeigt, dass viele Nachkommen der Gentechnik-Mücken überlebt haben und sich weiter
ausbreiten. Nach den Erkenntnissen der ForscherInnen weisen in den betroffenen Regionen
zwischen 10-60 Prozent der Mücken Teile des Erbgutes der freigesetzten Mücken auf. Deren
Erbgut hat sich sogar in benachbarten Regionen ausgebreitet, in denen gar keine
Freisetzungsversuche stattgefunden haben.

Die langfristigen Folgen bezüglich einer Verbreitung von Krankheiten, der Vermehrung der
Mücken und der Wechselwirkungen mit der Umwelt können nicht abgeschätzt werden. Die für die
Gentechnik-Versuche verwendeten Mücken stammen ursprünglich aus Kuba und Mexiko. Diese
Laborstämme haben laut der Untersuchung Mischpopulationen mit den einheimischen Mücken
gebildet, die offensichtlich über längere Zeiträume in der Umwelt überdauern können. Diese
könnten die natürlichen Populationen der Art langfristig verdrängen und die mit der Mückenplage
verbundenen Probleme sogar noch verschärfen.

„Die Versuche der Firma Oxitec haben zu einer weitgehend unkontrollierbaren Situation geführt.
Die Firma hat ihre patentierten Mücken freigesetzt, obwohl bereits bekannt war, dass manche der
Tiere durchaus in der Umwelt überleben können. Offensichtlich waren die Erwartungen der
Investoren wichtiger als der Schutz von Mensch und Umwelt. Dabei können im schlimmsten Fall
die Schäden weder durch Versicherungen abgedeckt noch durch Notfallmaßnahmen korrigiert
werden“, sagt Christoph Then für Testbiotech. „Dieser Vorfall muss Folgen für den weiteren
Einsatz der Gentechnik haben. Die Verhinderung einer Ausbreitung von Gentechnik-Organismen in
natürlichen Populationen muss in Zukunft höchste Priorität haben.“

Tatsächlich planen verschiedene Forschungseinrichtungen die Schaffung von gentechnisch
veränderten Bäumen, Bienen, Korallen, verschiedenen Insektenarten und anderen Organismen, die
sich in natürlichen Populationen ausbreiten können. Die langfristigen Folgen derartiger Versuche
wären nicht abschätzbar. Unerwartete Auswirkungen können die Ökosysteme erheblich stören und
auch zum Aussterben von Arten führen. Testbiotech schlägt deswegen vor, neue Kriterien für die
Sicherheitsbewertung von Versuchen mit Gentechnik-Organismen einzuführen, um deren
Kontrollierbarkeit in der Umwelt zu überprüfen.

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