Landkonzentration schwächt Osten

Vor bald 30 Jahren fiel die Mauer, öffneten friedlich demonstrierende Menschen die tödliche Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland. In der September-Ausgabe der Bauernstimme blickt Claudia Gerster zurück: „Als junger Mensch erlebte ich das System des ‚real existierenden Sozialismus‘ als stark eingrenzend und freiheitsberaubend. Zugleich prägt mich bis heute die Erfahrung einer starken solidarischen Gemeinschaft Andersdenkender in der DDR, die sich im täglichen Leben unterstützten, sich gegenseitig Mut zusprachen, Alternativen entwickelten und sich zivilgesellschaftlich engagierten.“ Claudia Gerster und ihr Mann Gerhard haben nach der Wende in Sachsen-Anhalt einen bäuerlichen Betrieb gekauft und Stück für Stück neu auf- und ausgebaut.

Dass das nicht viel öfter geschieht führt die Landessprecherin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) besonders auf politische Rahmenbedingungen zurück. Die umfangreichen landwirtschaftlichen Flächen, die mit dem Ende der DDR ins Eigentum der Bundesrepublik übergingen, seien von der staatlichen Treuhand-Nachfolgerin BVVG (Bodenverwertungs- und verwaltungs GmbH) interessengebunden verpachtet und verkauft worden. Nur wenige Betriebe hätten den Großteil landwirtschaftlicher Flächen in Ostdeutschland erwerben können, und zwar zu begünstigten Preisen. Die großflächigen Agrarstrukturen in Ostdeutschland seien dadurch verfestigt worden und erleichterten heute den Einstieg außerlandwirtschaftlicher Investoren.

Als skandalös bezeichnet es Gerster, dass ostdeutsche Agrarminister und -ministerinnen zwar immer wieder auf diese Entwicklung aufmerksam machten, aber bisher unabhängig von Parteizugehörigkeit keinerlei gesetzliche Grundlagen auf den Weg gebracht hätten, um den Ausverkauf der ostdeutschen Landwirtschaft zu stoppen.

Gerster mahnt: „Wenn wir eine Veränderung in den ländlichen Räumen bewirken wollen, müssen wir eine Partizipation aller dort lebenden Menschen anstreben. Wir benötigen dazu dringend gesetzliche Rahmenbedingungen, damit Menschen selbstbestimmt, regional, zukunftstauglich und klimaschonend mit der Ressource Boden arbeiten können.“ Es sei daher unerlässlich, für eine gerechte und faire Verteilung von EU-Agrargeldern zu streiten und gesetzliche Rahmenbedingungen zu fordern, die Bodenspekulationen verhindern.