Soziale Ungleichheit auch bei der Ernährung

Beim steigenden Wohlstand driftet die soziale Schere immer weiter auseinander. Ober- und Mittelschicht profitieren weitaus mehr als die 20% an der unteren Skala. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Nestlé Ernährungsstudie 2019. Unter dem Titel „So is(s)t Deutschland 2019“ belegen sie dieses Auseinanderdriften anhand der wachsenden Ungleichheit im Ernährungsverhalten.

„Deutschland is(s)t immer geteilter“, schreibt Nestlé. Während bei unteren Schichten die Bedeutung der Ernährung eher abnimmt, geben die „Gutsituierten“ auch die Ernährungstrends vor. Bio, nachhaltig, regional, artgerechte Tierhaltung drücken den höheren Status, aber auch den kulturellen Mainstream aus, wobei auch der Preis nicht mehr das entscheidende Kriterium ist. Das Besondere, die Spezialitäten, das Außer Haus-Essen zu Mittag oder das Genusserlebnis am Wochenende verdeutlichen die Änderungen im Ernährungsverhalten der Wohlstandsgewinner. Unter Jugendlichen zeichneten sich die Unterschiede des sozialen Status noch stärker ab. „Kulinarische Polarisierung“ als Folge der sozialen Polarisierung erklärt das die Studie. Für die einen dreht sich das Top Thema Nr. 1 um gesunde Mahlzeiten, um weniger Zucker oder Fett, um Tierwohl und Herkunftsnachweis, während die anderen finden, dass man ums Essen nicht so viel Wirbel machen soll, und bei ihnen erneut „Schnitzel mit Pommes“ ganz oben rangiert.

Natürlich spielen dabei auch die Verkleinerung der Haushalte oder die steigende Frauenerwerbsquote eine wichtige Rolle. Das Mittagessen verliert an Bedeutung, ebenso die festen Essenzeiten und immer häufiger bleibt die (teure) Küche kalt. Der Wunsch nach gesunder ausgewogener Ernährung, am liebsten in der Familie, tritt in Widerspruch zum Alltagsstress und zum Zeitmangel. Essen in Gemeinschaft nimmt immer mehr ab, dagegen steigt das Unregelmäßige, Spontane, Individuelle.

Übrigens bestätigt die Studie auch das Klischee: Frauen essen gesünder, Männer essen Fleisch. Bleibt dem geneigten Leser und der Leserin die Frage: Ist ein Teil des Klimawandels (zu hoher Fleischverzehr) auch eine Geschlechterfrage?

08.08.2019
Von: hg

„Deutschland is(s)t immer geteilter“, schreibt Nestlé und illustriert dies mit dem geteilten Teller. Bildquelle: Nestlé