IPCC Bericht: Kosten der Untätigkeit werden katastrophal sein

Fast drei Viertel der bewohnbaren Flächen der Erde werden vom Menschen genutzt - mit erheblichen Auswirkungen auf unser Klima, wie ein neuer Bericht des Weltklimarats IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) zeigt. Fast ein Viertel der vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen gehen demnach heute auf die Land- und Forstwirtschaft und andere Landnutzung zurück. Der jüngste IPCC-Sonderbericht beschreibt die aktuelle Situation, entwirft mögliche Zukunftsszenarien und untersucht Lösungsansätze, wie wir Land so nutzen können, dass die Ernährung sichergestellt, das Wirtschaftswachstum gefördert und die Risiken des Klimawandels begrenzt werden.

Die notwendige Verringerung der Emissionen ist auch eine Frage der Landnutzung. „Allein auf die Landwirtschaft entfallen rund 50 Prozent der weltweiten Methanemissionen - ein Treibhausgas, das weniger häufig, aber pro Einheit noch klimawirksamer ist als CO2, und dessen Hauptquellen die Rinder- und Reisproduktion sind“, heißt es in einer Mitteilung des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), dessen Wissenschaftler Alexander Popp und Prajal Pradhan jeweils einer der Hauptautoren des Kapitel zu den Wechselwirkungen zwischen Land und Klima sowie des Kapitels über Ernährungssicherheit sind.

„Der Bericht betrifft viele Aspekte des menschlichen Lebens an Land, die eng miteinander verbunden sind. Was wir essen beeinflusst, was wir anbauen oder welche Tiere wir halten, was wiederum die Art und Weise beeinflusst, wie wir unser Land nutzen", erklärt Alexander Popp, Leiter der Abteilung Landnutzungsmanagement am PIK. Land kann stark zum Klimaschutz beitragen, oft mit zusätzlichen positiven Nebenwirkungen für die nachhaltige Entwicklung.

Das globale Landsystem steht jedoch bereits heute unter hohem Druck. In bestimmten Gebieten können flächenverbrauchende Klimaschutzmaßnahmen wie Aufforstung oder der Anbau von Bioenergiepflanzen mit der Nahrungsmittelproduktion konkurrieren. „Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels an Land dürfen nicht mehr schaden als nutzen. Das bedeutet, dass jede solche Maßnahme sehr gut abgewogen werden muss. Die Beschaffenheit der Flächen vor Ort und die Lebensgrundlagen der betroffenen Menschen müssen berücksichtigt werden. Das mag ziemlich kompliziert klingen, aber eigentlich ist die Grundregel ganz einfach: Wir müssen aufhören, fossile Brennstoffe zu benutzen. Das ist der einfachste Weg, unser Land zu schützen", schließt Popp.

Doch es gibt weitere wichtige Klimafaktoren im Ernährungssystem, d.h. in der gesamten landwirtschaftlichen Produktion, einschließlich des Energiebedarfs für die Verarbeitung und den Transport von Lebensmitteln. Prajal Pradhan, Agrarökologe am PIK: „Um ein vollständiges Bild zu erhalten, müssen wir über das Hoftor hinausschauen und das gesamte Ernährungssystem einbeziehen: Nehmen wir die Emissionen unserer Lebensmittel vom Acker bis zum Teller hinzu, steigt der Beitrag der Landnutzung zu den globalen Treibhausgasemissionen auf fast ein Drittel."

Derzeit gehen 25-30 Prozent aller produzierten Lebensmittel durch Verschwendung verloren. Gleichzeitig ändern sich die Ernährungsgewohnheiten: Seit 1961 hat sich der weltweite Fleischkonsum mehr als verdoppelt. Darüber hinaus hat sich mit dem Anstieg der Nahrungsmittelproduktion insgesamt die Zahl der Übergewichtigen seit 1975 verdoppelt. Heute sind mehr als 800 Millionen Menschen unterernährt, während 2 Milliarden Erwachsene weltweit übergewichtig sind. „In dem Bericht plädieren wir für drei Möglichkeiten, den Klimawandel zu bremsen: Emissionen verringern; CO2 aus der Atmosphäre entziehen, z.B. durch Aufforstung oder Kohlenstoffbindung im Boden; und – ganz wichtig - Ernährungsgewohnheiten ändern und weniger Lebensmittel verschwenden", erklärt Pradhan.

Ein weiterer relevanter Faktor, auf den der Bericht hinweist, ist die Verschiebung von Vegetationszonen aufgrund des Klimawandels. Der Agrarökonom Hermann Lotze-Campen, Leiter der PIK-Forschungsabteilung „Klimaresilienz" und ausgebildeter Landwirt, sagt: „Temperaturschwankungen werden die Erträge beeinflussen. Während einige Nutzpflanzen in bestimmten Gebieten nicht mehr gedeihen werden, könnten andere Regionen profitieren. Deshalb ist es so wichtig, jede Maßnahme zu Klimaanpassung oder Klimaschutz ganz gezielt auf die jeweilige Region abzustimmen. Aber es belegt auch eine andere ernste Wahrheit aus dem Bericht: Am anfälligsten für den Klimawandel an Land sind jene Menschen, die bereits heute unter prekären Bedingungen leben."

Johan Rockström, Direktor des PIK, kommentiert: „Der IPCC-Sonderbericht bestätigt, dass wir vor einem planetaren Notstand stehen. Dass sich das Zeitfenster für entschlossene Maßnahmen schnell schließt. Und dass die Kosten der Untätigkeit katastrophal sein werden. Der Bericht zeichnet zwar ein düsteres Bild davon, was passieren könnte, zeigt aber auch einen Weg nach vorn, einschließlich Möglichkeiten für sofortiges Handeln." Er betont weiter: „Was wir in den nächsten zehn Jahren erreichen – und hier sind die Regierungen gefragt - wird darüber entscheiden, ob wir es schaffen, aus dieser Notlage herauszukommen. Wir müssen unsere Weltwirtschaft umgestalten, um unsere Klimaschutzmaßnahmen, die biologische Vielfalt und die Entwicklung besser aufeinander abzustimmen."

Den IPCC-Sonderbericht finden Sie hier.