Recht auf Nahrung von zwei Milliarden Menschen verletzt

Laut den jüngst in New York vorgestellten Zahlen der Welternährungsorganisation FAO leiden 821 Millionen Menschen weltweit an schwerem Hunger. Damit ist die Zahl der chronisch hungernden Menschen das dritte Jahr in Folge angestiegen. Laut der Menschenrechtsorganisation FIAN ist dies eine skandalöse Entwicklung, da sich parallel dazu in den vergangenen Jahren die weltweiten Ernten und Nahrungsvorräte deutlich erhöhten. Die wachsende Schere zwischen Arm und Reich ist laut FAO-Bericht eine zentrale Ursache für diese Entwicklung. „Es ist einer der größten Skandale unserer Zeit, dass trotz ausreichend vorhandener Nahrung so viele Menschen hungern und an den Folgen von Hunger sterben“, so Roman Herre von der Menschenrechtsorganisation FIAN. Herre hebt hervor, dass somit das Recht auf Nahrung von zwei Milliarden Menschen – rund 26 % der Weltbevölkerung – verletzt wird.

Mit dem diesjährigen Report „State of Food Security and Nutrition in the World“ (SOFI) hat die FAO den neuen Indikator FIES (Food Insecurity Experience Scale) zur Hungerbemessung berücksichtigt. Er beruht – im Gegensatz zum klassischen Indikator Prevalence of Undernourishment (PoU) – auf konkreten Haushaltsbefragungen. Demnach leiden über zwei Milliarden Menschen an Ernährungsunsicherheit und sind gezwungen, regelmäßig Mahlzeiten auszulassen. Hierzu gehören auch 8% der Bevölkerung in Europa und Nordamerika. Die weltweite Erhebung des FIES-Indikators ermöglicht nach Ansicht von FIAN eine genauere Analyse der Hunger-Ursachen, wenn auch eine Aufschlüsselung der einzelnen Länder weiterhin fehlt.

Die Herausgeber des Berichts, darunter die Direktoren der FAO und des Welternährungsprogramms WFP, waren sich lat FIAN bei der Präsentation der Zahlen in New York einig, dass die wachsende Schere zwischen Arm und Reich, Austeritätsprogramme und mangelnde soziale Sicherheit zentrale Ursachen des Hungers sind. Sie unterstrichen die Notwendigkeit eines grundlegenden politischen Umsteuerns, um die Ursachen des Hungers anzugehen – nach Ansicht von FIAN ein neuer Ton im Vergleich zu den SOFI-Veröffentlichungen der vergangenen Jahre. Was progressiv beginne, ende jedoch in den altbekannten Forderungen nach einer stärkeren Rolle von Privatsektor und Industrie durch erhöhte Investitionen und Finanzierungen. Keiner der Herausgeber fordert ein stärkeres Engagement für die Menschenrechte.

„Um das Ziel der Weltgemeinschaft zu erreichen, den Hunger bis 2030 zu beenden, warten die Betroffenen weiter auf ein echtes Umdenken in der Politik. Diese verlässt sich weiter einseitig auf die vollmundigen Versprechen der Agrar- und Ernährungskonzerne, die schon seit 50 Jahren erklären, dass ihr industrielles Produktionsmodell den Hunger beenden würde. Die Zahl der Hungernden ist seitdem jedoch gestiegen, obwohl diese Konzerne heute mehr denn je die Ernährung kontrollieren“, so Philipp Mimkes, Geschäftsführer von FIAN Deutschland. Weitere strukturelle Gründe für die hohen Hungerzahlen – die Diskriminierung von Frauen und ländlicher Bevölkerung, Landgrabbing oder die erzwungene Öffnung der Agrarmärkte in Entwicklungsländern – wurden laut FIAN bei der Vorstellung des Berichts ebenfalls kaum berücksichtigt. „In Ländern des Südens werden rund zwei Drittel aller Nahrungsmittel von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern produziert. Diese werden jedoch seit Jahrzehnten systematisch in unfruchtbare und abgelegene Gebiete abgedrängt und einem unfairen globalen Wettbewerb ausgesetzt“, so Mimkes weiter.

Das Recht auf Nahrung wird im UN-Sozialpakt garantiert. In den Nachhaltigen Entwicklungszielen haben die Vereinten Nationen vereinbart, bis 2030 das Recht auf Nahrung für alle Menschen zu verwirklichen. FIAN setzt sich seit 1986 für die Durchsetzung des Rechts auf Nahrung ein und besitzt offiziellen Beraterstatus bei den Vereinten Nationen.

19.07.2019
Von: FebL/PM

Der Bericht der Welternährungsorganisation FAO zeigt, dass weltweit das Recht auf Nahrung verletzt wird.