Entschieden gegen Kinderarbeit vorgehen

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Kinderarbeit am 12. Juni fordern unter anderem die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (kurz: Welternährungsorganisation; FAO), Brot für die Welt zusammen mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Entwicklungsorganisation INKOTA ein entschiedenes Vorgehen gegen die in jüngster Zeit noch zunehmende Kinderarbeit, insbesondere in der Landwirtschaft, weltweit.

Auf einer Konferenz in Brüssel unter dem Titel "Gemeinsam gegen Kinderarbeit in der Landwirtschaft" hat die FAO die Staaten aufgefordert, verstärkt auf die Bekämpfung der Kinderarbeit in der heimischen und lokalen Lebensmittelversorgungskette sowie in der Subsistenzlandwirtschaft zu achten und mehr finanzielle Mittel bereitzustellen.

Von den 152 Millionen Kindern in Kinderarbeitssituationen auf der ganzen Welt arbeiten laut FAO mehr als 70 Prozent oder 108 Millionen Mädchen und Jungen im Alter von 5 bis 17 Jahren in der Landwirtschaft, Viehzucht, Forstwirtschaft, Fischerei oder Aquakultur. Die Zahl der Kinder in der Kinderarbeit in der Landwirtschaft ist seit 2012 um 10 Millionen gestiegen. Darüber hinaus entfallen 85 Prozent der Kinderarbeit in Afrika auf den Agrarsektor.

Einige der Schlüsselfaktoren, die laut FAO zur Kinderarbeit in ländlichen Gebieten beitragen, sind geringes Familieneinkommen und Haushaltsarmut, wenige Alternativen zum Lebensunterhalt, schlechter Zugang zu Bildung und begrenzte Durchsetzung der Arbeitsgesetze.

In diesem Zusammenhang stellte der FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva aber auch fest, dass nicht jede Beteiligung von Kindern an der Landwirtschaft als Kinderarbeit anzusehen ist. „Zum Beispiel können Mädchen und Jungen, die lernen, wie man Gemüse anbaut oder die Hühner auf dem Bauernhof ihrer Familie füttert, ihre Fähigkeiten schärfen und den zukünftigen Lebensunterhalt verbessern“, so da Silva. "Wenn Kinder jedoch täglich viele Stunden arbeiten, wenn sie schwere Arbeit verrichten, wenn sie Aufgaben ausführen, die für ihr Alter gefährlich oder ungeeignet sind, wenn dies ihre Ausbildung behindert, ist dies Kinderarbeit und muss beseitigt werden", betonte er.

Die Entwicklungsorganisation INKOTA fordert die Bundesregierung auf, Unternehmen gesetzlich zur Einhaltung der Menschenrechte in ihren Auslandsgeschäften zu verpflichten. Noch immer arbeiten rund zwei Millionen Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen auf Kakaoplantagen in Westafrika. Dabei hat sich die Schokoladenindustrie selbst zum Ziel gesetzt, die Kinderarbeit bis 2020 um 70 Prozent zu reduzieren. INKOTA ist überzeugt: Die Schokoladenindustrie wird dieses Ziel verfehlen, wenn die Hauptursache für Kinderarbeit nicht beseitigt wird. Die Mehrheit der Kakaobäuerinnen und -bauern lebt deutlich unter der Armutsgrenze und kann sich deshalb keine bezahlten Arbeitskräfte leisten. Das Beispiel zeigt, dass Selbstverpflichtungen von Unternehmen nicht ausreichen, um Kinderarbeit wirksam zu bekämpfen.

Zum Internationalen Tag gegen Kinderarbeit haben Brot für die Welt und die GEW gemeinsam den Online-Appell „Menschenrechte verwirklichen: Beenden wir ausbeuterische Kinderarbeit!“ gestartet. „Kinderarbeit ist ein Skandal. Dass wir durch den Kauf von Produkten ungefragt und ungewollt daran mitwirken, ebenso. Wir haben es in der Hand, dem endlich ein Ende zu setzen“, sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt. „Wir rufen alle auf, die es satt haben, von Firmen, die nicht willens sind, ihre Produzenten zu kontrollieren, klammheimlich zu Komplizen gemacht zu werden: Unterschreiben Sie und teilen Sie den Appell: Kinder sollen ein kindgerechtes Leben führen dürfen - nicht nur unsere eigenen Kinder, sondern alle Kinder auf der Welt!“

Mit der Unterstützung des Online-Appells erklären die Unterzeichner, dass sie keine Produkte konsumieren wollen, die mit Hilfe ausbeuterischer Kinderarbeit hergestellt werden. Sie fordern den Bundestag auf, ein Gesetz zu beschließen, das Unternehmen in Deutschland wirksam dazu verpflichtet, für die Einhaltung der Menschenrechte entlang der gesamten Lieferkette zu sorgen.

Weltweit arbeiten laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) noch immer 152 Millionen Kinder. Internationale Verträge wie die UN-Kinderrechtskonvention garantieren auf dem Papier allen Kindern Rechte auf Schutz, Fürsorge und Bildung. Die Realität sieht jedoch in vielen Ländern anders aus: Kinder schuften sich auf Kosten ihrer Gesundheit und ihrer Bildungschancen viele Stunden am Tag ab. Hauptgrund dafür ist Armut. Eltern, deren Einkommen nicht ausreicht, um die Familie zu ernähren, sehen sich oft gezwungen, ihre Kinder arbeiten zu schicken – auch wenn die Bedingungen katastrophal und die Entlohnung schlecht ist. Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Kinder, die arbeiten anstatt zur Schule zu gehen, erzielen auch als Erwachsene kein gutes Einkommen. Armut wird dadurch über Generationen vererbt.

In den Zielen für eine nachhaltige Entwicklung (SDGs) haben sich die Vereinten Nationen darauf geeinigt, bis 2025 jede Form von Kinderarbeit zu beenden. Um diesem Ziel näher zu kommen, reichen Selbstverpflichtungen und Absichtserklärungen der Unternehmen nicht aus. „Wir brauchen ein Gesetz mit konkreten Sanktionen für Unternehmen, die Kinderarbeit entlang ihrer Lieferkette dulden “, so Füllkrug-Weitzel. Die Unternehmen müssten verpflichtet werden, wirksame Melde- und Kontrollsysteme einzuführen und bei Verstößen sanktioniert werden – etwa durch den Ausschluss von öffentlichen Aufträgen.

Der gemeinsame Appell von Brot für die Welt und GEW ist Teil der globalen Kampagne „100 Million“ von Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi. Brot für die Welt fördert Satyarthis Arbeit für Kinderrechte seit Jahrzehnten. Gemeinsam mit der GEW hat das Hilfswerk anlässlich der 60. Aktion von Brot für die Welt vergangenen Herbst die Kampagne 100 Million in Deutschland gestartet. Ziel ist es, junge Leute zu ermutigen, sich für Kinderrechte stark zu machen und damit konkrete politische Maßnahmen anzustoßen.

14.06.2019
Von: FebL/PM

Die FAO fordert ein entschiedenes Vorgehen gegen Kinderarbeit von allen Akteuren im Zusammenhang mit der Landwirtschaft.