Klöckner kündigt Verbot eines weiteren Neonikotinoids an

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner (CDU), hat angekündigt, dass sie sich auf europäischer Ebene gegen die Wiedergenehmigung und damit für ein Verbot des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Thiacloprid – einem Neonikotinoid – einsetzen wird.

"Der Wirkstoff Thiacloprid gilt nach neuesten wissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen als gesundheitlich bedenklich und schädlich für den Naturhaushalt, unter anderem auch für Bestäuber. Risikobewertungen der zuständigen Behörden verdeutlichen das. Meine Haltung war hier immer klar: Solche Wirkstoffe müssen vom Markt. Auf europäischer Ebene werde ich mich daher mit Nachdruck dafür einsetzen, dass dieses Neonikotinoid keine Genehmigung mehr erhält, seine Anwendung schnellstmöglich verboten wird", erklärt die Ministerin.

Eine „180-Grad-Kehrtwende“, offenbar hervorgerufen durch eine Neubeurteilung des Wirkstoffes durch die EU-Kommission, nennt der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner die Ankündigung der Ministerin und kommentiert sie mit den Worten „Aber besser spät als nie“, denn erst im Dezember des vergangenen Jahres habe sie einer Verlängerung des Einsatzes zugestimmt.

Der Wirkstoff Thiacloprid ist zum Einsatz in Getreide, Raps, Obst oder Gemüse,in den Insektiziden Biscaya und Calypso von Bayer enthalten, die eine Zulassung für Deutschland bis April 2020 (Calypso) und April 2021 (Biscaya) haben. Wird der Wirkstoff auf EU-Ebene verboten, kann dieses Verbot auch für Deutschland vor diesen Fristen greifen. In Frankreich sind, anders als in Deutschland, Thiacloprid ebenso wie der Wirkstoff Acetamiprid bereits verboten.

Auf europäischer Ebene hat Bundesministerin Julia Klöckner im vergangenen Jahr für ein Verbot der drei bienenschädlichen Neonikotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam im Freiland gestimmt und „deutlich gemacht, dass es in Deutschland keine Notfallzulassungen bei der Zuckerrübenbeizung dieser Wirkstoffe geben wird“, heißt es aus dem Ministerium. Auch wenn dies in anderen Mitgliedstaaten der EU abweichend praktiziert werde. Derartige Notfallzulassungen gibt es beispielsweise in Polen, Ungarn und Belgien.

24.05.2019
Von: FebL

Die Imker fordern ein Verbot bienenschädlicher Pestizide (Foto: FebL) und "was Bienen schadet, muss vom Markt" twittert Ministerin Klöckner aus Anlass des Weltbienentages am 20. Mai (Foto/Grafik: BMEL).