Nährstoffbericht: Weiterhin zu viel Dünger auf den Äckern

„Es sind kleine Schritte, die wir erreicht haben. Wir bewegen uns aber in die richtige Richtung“, kommentierte Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast die Ergebnisse des neuen Nährstoffberichts 2018. Die Bilanz: Der Nährstoffanfall aus Tierhaltung und Biogasanlagen ist leicht gesunken. Um eine Trendwende zu erreichen, soll volle Transparenz bei den Nährstoffströmen erzielt werden.

Sieben Landkreise überschreiten im aktuellen Nährstoffbericht die Obergrenze für Stickstoff, sechs für Phosphat (voriger Bericht sieben). „Wir müssen alle Anstrengungen für den Wasserschutz verstärken“, betonte Otte-Kinast. Und auch Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) sieht aufgrund der aktuellen Veröffentlichung dringenden Handlungsbedarf beim Grundwasserschutz: "Gebiete mit signifikanter Überschreitung der Grenzwerte machen erschreckende 38 Prozent der Landesfläche aus", so Lies.

„Der sechste Nährstoffbericht macht unmissverständlich deutlich: Wir haben nach wie vor ein erhebliches Nährstoffüberschussproblem, dessen Auflösung keinen Aufschub duldet“. So kommentiert der Vorsitzende des Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland e.V (AEF) und ehemalige Landwirtschaftsminister Niedersachsens, Uwe Bartels, den aktuellen Nährstoffbericht. Die vorgelegten Zahlen überraschten ihn nicht.

Es sei zu erwarten gewesen, dass durch die geringere Aufstallung bei Schweinen und im Rinderbereich weniger Wirtschaftsdünger anfallen würde. Auch die Veränderung beim Inputmaterial in Biogasanlagen wirke sich mindernd auf den Nährstoffanfall aus. Dass der Export von Nährstoffen aus Weser Ems in Ackerbauregionen sich verringert hat und nicht, wie erforderlich gestiegen ist, sei angesichts der Wetterverhältnisse im Herbst 2017 und Frühjahr 2018 sowie aufgrund neuer Regelungen der Düngeverordnung für Ackerbaubetriebe zu erwarten gewesen. Die aktuell seitens des Ministeriums genannten Maßnahmen zur Schließung des Nährstoffkreislaufes, Förderung von Lagerstätten, bedarfsgerechte Fütterung mit nährstoffreduzierten Futter, Separierung und Homogenisierung von Gülle, Förderung von Ausbringungstechniken, Abdichten von Lagerstätten etc. sind allesamt bekannt.

Für die aktuelle Diskussion ist es sicherlich von Vorteil, wenn Niedersachsen zügig die in der Düngeverordnung enthaltenen Länderermächtigungen umsetzt, stellte Bartels fest. Ein wichtiger Beitrag zur Abklärung verschiedener Lösungsansätze für die Konditionierung von Gülle und Festmist soll das von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V. (ISN) mit den Partnern des AEF, der Kreislandvölker Vechta und Cloppenburg vorgeschlagene Praktikernetzwerk Wirtschaftsdünger sein, das von der Landesregierung gefördert wird und dessen Start jetzt ansteht.

Greenpeace-Agrarexperte Dirk Zimmermann findet laut NDR deutliche Worte zum Nährstoffbericht und den viehintensiven Regionen: "Langfristig führt an der Reduktion der Tierzahlen in diesen Regionen kein Weg vorbei." Und auch die Naturschutzorganisation BUND kritisierte, dass der Nährstoffüberschuss aus der Tierhaltung kaum zurückgegangen sei. Und: "Die Reduktion des Mineraldüngers ist auf die Trockenheit im vergangenen Jahr zurückzuführen, nicht auf Maßnahmen der Landesregierung", sagte Tilman Uhlenhaut, stellvertretender Landesgeschäftsführer des BUND.

27.04.2019
Von: FebL/PM

Höchster Stickstoffanfall in den viehintensiven Regionen Weser-Ems.