Klöckner setzt große Hoffnung auf Genschere

„Die grüne Gentechnik hat hierzulande keine Akzeptanz“, erklärt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) in einem Interview mit der Funke Mediengruppe, um dann mit einem deutlichen Unterton des Bedauerns hinzuzufügen: “Das muss man hinnehmen“. Ihre Hoffnungen ruhen auf neuen Züchtungsmethoden, die sie offensichtlich nicht als Gentechnik einstuft. „Ich setze allerdings große Hoffnungen auf neue Züchtungsmethoden. Mit dem Crispr-Verfahren – der sogenannten Genschere - kann man das Erbgut von Pflanzen gezielter und schneller positiv beeinflussen als das durch klassische Züchtung geht. Im Ergebnis ist beides nicht zu unterscheiden. Es geht um Erntesicherungen und den Einsatz von weniger Pflanzenschutzmittel“, bekennt die Ministerin. Dem Hinweis, dass der Europäische Gerichtshof diese Verfahren als Gentechnik einstuft, entgegnet sie: “Mit diesem Urteil müssen wir umgehen. Aber schauen Sie: Weltweit hungern mehr als 800 Millionen Menschen, weitere 2 Milliarden sind mangelernährt. Bis zum Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung um weitere zweieinhalb Milliarden Menschen anwachsen. Die müssen satt werden. Ein hungriger Magen findet keinen Frieden. Nicht genug zu essen zu haben, destabilisiert die Demokratie. Da können wir uns nicht leisten, den technologischen Fortschritt außer Acht zu lassen“.

„Julia Klöckner, wie immer in holder Eintracht mit dem Bauernverband, verbreitet nun auch die Nebelkerze der Gentech-Industrie, dass Crispr-Pflanzen die Landwirtschaft klimafreundlicher machen“, twittert der grüne EU-Abgeordnete Martin Häusling.

Auch mit Blick auf die „neuen Pflanzenzüchtungstechniken“ hat sich EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis kürzlich für eine neue EU-Gentechnikgesetzgebung eingesetzt, die die neuesten fortschrittlichen Technologien, wie die Genschere, berücksichtigt, und hat in diesem Zusammenhang eine umfassende öffentliche Debatte eingefordert.

18.04.2019
Von: FebL/PM

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner setzt sich für die Genschere ein. Foto: BMEL