Kükentöten: Langfristige Lösung ist Rückkehr zu Zweinutzungshühnern

„Dieses Kükenschreddern ist ethisch nicht vertretbar und muss so schnell wie möglich beendet werden“, das erklärt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) in einem Interview mit der Funke Mediengruppe. „Mein Ministerium hat 6,5 Millionen Euro investiert, um die Entwicklung von Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei zu fördern. Seit Ende vergangenen Jahres sind in zahlreichen Supermärkten Eier erhältlich, die von Legehennen gelegt wurden, die das Verfahren der Geschlechtsbestimmung im Ei durchlaufen haben. Damit sind wir Vorreiter in Europa und auf der ganzen Welt“, so Klöckner. Im kommenden Jahr soll laut Klöckner die Apparatur zu diesem Verfahren zur Geschlechtsbestimmung allen Brütereien in Deutschland zur Verfügung stehen. Damit werde das Verfahren serienreif und das Tierschutzgesetz greife.

Dazu kommentiert Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes: „Die Geschlechtsbestimmung im Ei ist als kurzfristige Lösung zur Vermeidung des Kükentötens akzeptabel, sofern ein Schmerzempfinden des Embryos sicher ausgeschlossen werden kann. Das ist bei der von Frau Klöckner viel gepriesenen endokrinologischen SELEGGT-Methode aber nicht der Fall, da die Eier zuvor bereits acht bis zehn Tage bebrütet werden. Wenn das Küken im Ei dann tatsächlich Schmerzen empfindet, macht es keinen großen Unterschied, ob es vor oder nach dem Schlupf getötet wird. Daher sollten alle Bemühungen stattdessen darauf ausgerichtet werden, die spektroskopische Geschlechtererkennung im Ei voranzubringen und diese Methode, die bereits früher - am vierten Bruttag - angewandt werden kann, zügig zur Serienreife zu bringen“.

Klar müsse aber auch sein: „Die Geschlechtsbestimmung im Ei ist nur eine technische „Lösung“, die das grundsätzliche Problem, nämlich die extrem spezialisierte Zucht auf Lege- bzw. Mastleistung bei den Hühnern, nicht löst. Als einzige langfristige Lösung kommt daher nur eine Rückkehr zu Zweinutzungshühnern in Frage“, so Rusche.

18.04.2019
Von: FebL/PM

Im November letzten Jahres stellte die Bundeslandwirtschaftsministerin das SELEGGT-Verfahren vor. Foto: Quelle: BMEL/Florian Gaertner/Photothek.net