Tönnies: „Stoppt endlich diesen Preiskrieg“

„Die Fleischbranche befindet sich im Wandel“, sagt Clemens Tönnies, geschäftsführender Gesellschafter der Tönnies Unternehmensgruppe anlässlich ihrer Jahrespressekonferenz am Stammsitz des Unternehmens im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück. Als Verarbeitungs- und Veredelungsbetrieb sieht er das Unternehmen zwischen landwirtschaftlicher Erzeugung und dem Lebensmitteleinzelhandel. „Wir tragen gemeinsam die Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung der Fleischbranche. Deshalb haben wir uns gemeinsam mit der Landwirtschaft auf den Weg gemacht“, sagt Tönnies. „Die großen Anstrengungen der Landwirte in den vergangenen Jahren müssen wir anerkennen und auch finanziell honorieren. Hier ist die gesamte Lebensmittelkette gefragt“ erklärt Geschäftsführer Andres Ruff. „Wir müssen aufhören, diese tolle Ware Fleisch zu verramschen und in Billigangebote zu treiben. Stoppt endlich diesen Preiskrieg“, appelliert Clemens Tönnies in Richtung Lebensmitteleinzelhandel. „Unter diesen Dumpingpreisen leiden wir, vor allem aber leiden die Landwirte. Das muss aufhören“, so Tönnies.

Den gesellschaftlichen Anforderungen stellt sich das Unternehmen laut Tönnies mit Transparenz, Rückverfolgbarkeit und offenem Dialog und fordert „von der Politik beispielsweise auch die flächendeckende Videokontrolle von allen tierschutzrelevanten Bereichen“. Den Dialog bietet der Konzern unter anderem auf der 2018 eingerichteten Homepage www.toennies-dialog.de mit den Zielen und Maßnahmen des Konzerns zu sechs Nachhaltigkeitsthemen an. Dort heißt es mit Blick auf die Erzeugerseite zum Beispiel: „Der größte Aufwand für Verbesserungen des Tierwohls in der Haltung liegt bei den Erzeugern. Diese müssen es honoriert bekommen, wenn sie die Haltung ihrer Tiere über die gesetzlichen Standards hinaus verbessern. Sie sollten sich zum Beispiel sicher sein können, dass sie eine Investition wie den Neubau eines modernen Stalls, Jahr für Jahr abbezahlen können. Das gelingt nur, wenn der Handel für bestimmte Tierwohl-Verbesserungen dauerhaft höhere Einkaufspreise zahlt und der Verbraucher ebenfalls bereit ist, für diese gekennzeichneten Produkte mehr Geld auszugeben.“

Als „Meilenstein in der nachhaltigen Entwicklung der Nutztierhaltung“ bezeichnet das Unternehmen anlässlich der Pressekonferenz ein gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen entwickeltes neues Fütterungskonzept, die sogenannte TONISO-Fütterung (tieroptimierte-, nitrat- und sojareduzierte Fütterung), mit der eine Verringerung der N-Ausscheidungen (auch die Phosphor-Ausscheidungen) über die Gülle von bis zu 30 Prozent weniger Stickstoffanteil möglich sein soll. Ziel der TONISO-Fütterung ist es auch, den Sojaanteil im Ferkel- und Vormastfutter ca. zu halbieren, in der Endmast könne unter bestimmten Voraussetzungen komplett auf den Sojaeinsatz verzichtet werden – dadurch sei eine Reduktion des Sojaanteils in der gesamten Mast um über 50 Prozent möglich.

Als „absolut notwendig“ für das Unternehmen bezeichnete Geschäftsführer Ruff Werkverträge, über die etwa die Hälfte der Mitarbeiter bei Tönnies beschäftigt sein soll. „In Deutschland finden wir kaum noch Mitarbeiter, die diese Tätigkeiten machen wollen“, erklärt Clemens Tönnies. Auf die Frage nach dem Kostenvorteil für Tönnies durch Werkverträge gab es auf der Pressekonferenz keine Antwort.

Im Zusammenhang mit den zumeist osteuropäischen Arbeitskräften, über Subunternehmen in der Fleischbranche eingesetzt, werden immer wieder eine unzumutbare Unterbringung und hohe Abzüge vom Lohn beispielsweise für Miete festgestellt. Hier räumte Tönnies ein, dass nicht alle Firmen, die mit dem Verleihen von Arbeitskräften Geld verdienen, „unsere Standards“ erfüllen. „Wenn wir so einen Laden übernehmen, räumen wir erst einmal auf,“ so Tönnies.

20.03.2019
Von: FebL/PM

So verteilt sich "Qualität" bei Tönnies. Grafik: Tönnies