„Kein Billigfleisch in der Fastenzeit““

Zum Verzicht auf Billigfleisch in der Fastenzeit (vom 6. März bis 18. April) fordert Prälat Peter Kossen in plattdeutschen Andachten im Norddeutschen Rundfunk (NDR) auf. „Ich meine das Kilo Hackfleisch für 2,77 Euro, die Hähnchenschenkel für 17 Cent/100g und die Bratwurst für 89 Cent“, so Kossen. In der Fastenzeit bewusst hinzuschauen, wo das Fleisch herkommt und wie es produziert wurde: Dafür will Kossen möglichst viele Menschen gewinnen. Sind Menschen und Tiere für „Billig! Billig! Billig!“ gequält worden? Sind die Landwirte für ihre Arbeit angemessen bezahlt worden und die Arbeitsmigranten in den Großschlachthöfen auch? – „Das billige Fleisch hat einen hohen Preis“, sagt er. „Diesen Preis bezahlen die Landwirte mit ihrer Existenz, die Rumänen und Bulgaren mit ihrer Gesundheit und die Natur mit der Artenvielfalt und dem ökologischen Gleichgewicht. Der Hunger in der Welt hat mit dem verramschten Fleisch hier bei uns zu tun.“

Kossen erinnert in seinen plattdeutschen Andachten im NDR an die jüdisch-christliche Tradition, dass „Fasten“ Solidarität mit den Kleinen und Schwachen und Einstehen für Gerechtigkeit bedeutet. „Was Menschen, Tieren und der Natur angetan wird für die billige Wurst und das billige Putenfleisch, das kann man nicht wieder gutmachen“, ist Kossen überzeugt. „Fastenzeit ist eine Zeit der Befreiung, der geschärften Aufmerksamkeit für die Wahrheit. Fasten bedeutet Aufwachen, Aufstehen und Eingreifen. Jetzt ist die Zeit, in der sich etwas verändert durch Menschen, die etwas verändern! Es gibt Alternativen zum Verschleiß von Menschen, Tieren und Umwelt!“ „Laot us wat bäter maoken“, so Prälat Peter Kossen in seiner Muttersprache: „Kien Billigfleisch inne Fassentied!“

Die Andachten sendet NDR 1/Radio Niedersachsen vom 4.-8. März jeweils gegen 14.20 Uhr unter dem Titel „Dat kannst mi glöven“ (Das kannst Du mir glauben). Prälat Peter Kossen war im niedersächsischen Vechta, einer Hochburg der Fleischindustrie, aktiv, lebt und arbeitet heute in Lengerich/Nordthein-Westfalen im Bistum Münster.

Vertreter des Bistums Münster besuchten Ende Februar den Neuland-Bauernhof von Margarete und Martin Steinmann in Lotte bei Osnabrück/Niedersachsen. Martin Steinmann sitzt als Vertreter der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft im Vorstand von Neuland, dem Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung. „Wir brauchen andere Standards, die für jeden Geldbeutel erschwinglich sind“, sagte während des Besuchs der stellvertretende Generalvikar, Dr. Jochen Reidegeld, der von der früheren Umweltbeauftragten des Bistums, Maria Kleingräber, Pfarrer Bernd Hante als Diözesanpräses der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) und der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) sowie den KLB- beziehungsweise KLJB-Referenten Uli Oskamp und Markus Storck begleitet wurde, heißt es auf dem Online-Portal des Bistums Münster.

Von der katholischen Kirche wünscht sich Martin Steinmann laut dem Online-Portal mehr Druck auf die Politik – und eine stärkere Unterstützung der Landwirte, die sich für soziale und ökologische Verbesserungen einsetzen. Reidegeld versprach, dieses Anliegen mitzunehmen. Er kritisierte in diesem Zusammenhang die Schizophrenie der Politik: „Das eine wird gefordert, das andere gefördert.“ Diese Widersprüchlichkeit müsse aufhören. In der Bevölkerung liege der Wunsch nach gesunder Ernährung mit regionalen Produkten im Trend: „Das ist eine Chance, auf die es zu reagieren gilt“, erklärte Reidegeld.

01.03.2019
Von: FebL/PM

Prälat Peter Kossen (oben) und Vetreter des Bistums Münster auf dem Neulandhof von Margarete und Martin Steinmann. Fotos: Bistum Münster