Schließungspläne der Südzucker AG lösen heftige Proteste aus

Mehr als 500 Bürger und Bürgerinnen, darunter zahlreiche Bauern und Bäuerinnen mit 200 Traktoren aus der gesamten Region, haben gegen die von der Südzucker AG geplante Schließung der Zuckerfabrik in Warburg demonstriert. „Mit dieser Aktion muss uns der Vorstand von Südzucker hören. Sonst kommen wir nach Mannheim;“ erklärt Josef Jacobi von der Bürgerinitiative Lebenswertes Bördeland und Diemeltal, selbst Rübenbauer und einer der Initiatoren der Aktion, vor Beginn der Winterversammlung der Südzucker AG, die ihren Sitz in Mannheim hat, in der Gemeindehalle Warburg-Hohenwepel. „Die Verbraucher wollen Regionalität, diesen Markt hat die Südzucker AG vernachlässigt", kritisierte Jacobi die zu einseitig auf den Weltmarkt ausgerichtete Konzernpolitik, die jetzt als Begründung für die Schließung angeführt wird.

"Ihre Unternehmensstrategie, Rübenmengen und damit Anbauflächen zurückzufahren, darf nicht zur Folge haben, dass einzelne Anbauregionen abgehängt werden. Die Landwirte im Kreis Höxter brauchen ein klares Signal für die Zukunft und eine sichere Absatzmöglichkeit für ihre Zuckerrüben. Hohe Transportkosten dürfen nicht einseitig auf die Rübenanbauer abgewälzt werden", heißt es in einer Resolution gegen die Schließung des Werkes in Warburg, die der Vorstand des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Höxter auf der Versammlung übergibt.

Als „beeindruckend“ bezeichnet Südzucker-Vorstand Thomas Kirchberg die Demonstration, macht auf der Versammlung aber wenig Hoffnung, dass angesichts der Situation auf den Weltmärkten die vom Vorstand der Südzucker AG dem Aufsichtsrat zur Schließung vorgeschlagenen Standorte in Warburg und Brottewitz/Brandenburg erhalten werden können. Zu dem unter anderem von einem Vertreter des Zuckerrübenanbauerverbandes Kassel geäußerten Vorwurf, bei der Entscheidung zur Schließung nicht eingebunden und von der Entwicklung überrollt worden zu sein, erklärte Kirchberg, dass bei wirtschaftlichen Entscheidungen dieser Tragweite zunächst der Kapitalmarkt zu informieren sei.

Mit „Fassungslosigkeit und Unverständnis“ ist auch im brandenburgischen Landkreis Elbe-Elster, in dem der Standort Brottewitz liegt, auf die Schließungspläne reagiert worden. Auch hier will man die Pläne nicht widerstandslos hinnehmen. Der Vorstand des Verbandes Sächsisch-Thüringischer Zuckerrübenanbauer (VSTZ) bezeichnet die angekündigte Schließung als „Fehlentscheidung“, die es zu verhindern gelte. Und auch Elbe-Elster Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) hat sich gemeinsam mit Bürgermeistern und Amtsdirektoren des Landkreises in einem offenen Brief mit dem Appell an die Konzernleitung der Südzucker AG gewandt, „alles in Ihrer Macht Stehende zu tun, um diese für die gesamte Region verheerende Entscheidung zur Schließung der Zuckerfabrik Brottewitz bei Mühlberg/Elbe rückgängig zu machen“.

Ende Februar entscheidet der Aufsichtsrat der Südzucker AG über die Schließungspläne des Vorstandes. Ein Mitglied des Aufsichtsrates ist der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und Vorsitzende des Verbandes Süddeutscher Zuckerrübenanbauer Joachim Rukwied. Aus Anlass der dortigen Verbands-Winterversammlung in Ilsfeld-Auenstein/Kreis Heilbronn protestierte er gemeinsam mit Rübenbauern gegen die für sie und das Unternehmen Südzucker unfairen Wettbewerbsbedingungen in der EU und forderte Berlin zum Handeln auf. Zu den möglichen Werksschließungen in Warburg und Brottewitz sind bisher keine Äußerungen des DBV-Vorsitzenden überliefert.

10.02.2019
Von: FebL

Zum Protest gegen die Schließung in Warburg gehört auch eine Plakataktion. Quelle: Stadt Warburg