Treckerkorso gegen geplante Werkschließung der Südzucker AG

Die Südzucker AG plant die Schließung ihrer Werke in Warburg (Nordrhein-Westfalen) und Brottewitz (Brandenburg). Das hat der Südzucker-Vorstand in der vergangenen Woche dem Aufsichtsrat mitgeteilt, der den Plänen noch zustimmen muss.

„Vor dem Hintergrund des anhaltend schwierigen globalen und europäischen Marktumfelds, das maßgeblich von einem historisch niedrigen Preisniveau innerhalb der EU geprägt ist“, verfolgt der Vorstand mit dem Restrukturierungsplan „das Ziel, die Auswirkungen der starken Preisschwankungen an den globalen Zuckermärkten und in der EU auf das Segment Zucker zu verringern und damit den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens nachhaltig zu sichern und zu stärken“, teilt Südzucker mit.

„Fassungslos“ gemacht hat die Nachricht von der Schließung des Werkes in Warburg Mitglieder der „Bürgerinitiative Lebenswertes Bördeland und Diemeltal“ und des Bundesverbandes der Regionalbewegung gemeinsam mit anderen Akteuren in der Region. Sie melden sich in der gemeinsamen Geschäftsstelle der beiden Vereine in Borgentreich vor allem mit der Frage: „…kann man da noch etwas machen?“. Und machen wollen sie noch etwas, noch vor der Sitzung des Aufsichtsrats am 25. Februar. So soll bereits am 5. Februar auf Vorschlag von BI-Vorstand Josef Jacobi ein Treckerkorso zur Winterversammlung der Südzucker AG, die in der Region in der Hohenwepeler Gemeindehalle stattfindet, durchgeführt werden. Dort wird Südzucker-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kirchberg erwartet, der die geplanten „Umstrukturierungen“ des Unternehmens mit zu verantworten hat.

„Selbst die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), die in Fachkreisen auch als politischer Sammelpunkt der Agrarindustrie gesehen wird, propagiert seit Jahren den Megatrend Regionalität. Die regionale Versorgung mit landwirtschaftlichen Rohstoffen und deren lokale Verarbeitung gehören mittlerweile zu den Kernthesen der DLG. Wie ist vor diesem Hintergrund die geplante Schließung zu sehen?“, fragen die beiden Vereine.

In Warburg wurde neben der Verarbeitung konventionell angebauter Rüben als Nische auch die Verarbeitung von Biorüben etabliert - lange Jahre ein Alleinstellungsmerkmal der Warburger Fabrik. „Die Nachfrage nach Biozucker boomt, das drückt sich auch in den jüngsten Vertragsabschlüssen aus, die Bioanbauverbände mit Großunternehmen im Lebensmitteleinzelhandel abgeschlossen haben“, erklären die Vereine. Mittlerweile verarbeitet die Südzucker AG Biorüben ebenfalls im bayrischen Rain in der Nähe von Augsburg. Die Entfernung zwischen den beiden Zuckerfabriken in Warburg und Rain beträgt ca. 430 km. Für die BI und den Bundesverband der Regionalbewegung ist die geplante Schließung des Werks in Warburg, „auch ohne tiefere Kenntnis der unternehmerischen Gedankenspiele der Südzucker AG“, eine Entscheidung gegen den Trend. Beide Vereine treten für eine regionale Kreislaufwirtschaft ein, die sich bislang gut am Beispiel der Rübe wiederspiegelt. Neben ihrer großen Bedeutung als Blattfrucht in der Fruchtfolge, kommen auch die Nebenprodukte zu einer sinnvollen Verwertung: als wertvolles Tierfutter in Form von Trockenschnitzeln sowie als Carbokalk zur Bodendüngung. BI-Vorstand Josef Jacobi, der die Bioschiene einst mit dem damaligen Chef der Warburger Zuckerfabrik, Christian Voß, initiierte, befürchtet nun, dass Landwirte, die mit der Umstellung auf Biolandwirtschaft liebäugeln, stark ins Grübeln kommen, ob sie dafür zukünftig auf den Rübenanbau verzichten wollen.

„Die Verantwortlichen eines milliardenschweren Unternehmens werden passende Zahlen auf ihren Aktionärsversammlungen präsentieren (müssen), die Warburger Zuckerfabrik ist viel mehr als das. Ein Stück Industriegeschichte, das mit ihren Investitionen den Sprung in die Moderne geschafft hat, auch dank der Unterstützung in der Region. Das bestätigt sich aktuell wieder beim Projekt zum Ausbau der Reinigung der Abwässer aus der Zuckerfabrik sowie bei der geplanten neuen Anbindungsstraße“, verweisen die Vereine auf die positive Bedeutung des Werkes für die Region aber auch die Unterstützung durch die Region.

Neben nackten Zahlen sollte Südzucker-Vorstand Dr. Kirchberg auch Eindrücke von der außerordentlich engen Verbindung zwischen der Warburger Fabrik mit der Region von der Versammlung in Hohenwepel mit nach Hause nehmen. Eine verbindliche Aussage zur zeitlichen Erweiterung der Kampagne könnte dabei, falls sie nicht schon vorliegt, ein weiteres positives Signal für Dr. Kirchberg vor der endgültigen Entscheidung des Aufsichtsrates am 25. Februar sein.

02.02.2019
Von: FebL/PM

Die Warburger Zuckerfabrik ist ein wichtiges Stück Region. Das soll auch mit Treckern am kommenden Dienstag in Hohenwepel deutlich gemacht werden. Foto: Sven Mindermann