Digitalisierung aggressiv von oben herab durchgesetzt

Eine umfassende, partizipative und transparente Evaluation des Digitalisierungsprozesses und den damit verbundenen Technologien in der Landwirtschaft auf nationalem und regionalem Level hat aus Anlass der internationalen Agrarministerkonferenz (GFFA) in Berlin die von den Philippinen stammende Neth Daño im Namen der internationalen Action Group on Erosion, Technology and Concentration (ETC Group) gefordert. In Solidarität mit den vor dem Auswärtigen Amt, dem Austragungsort der GFFA, mit ihren Traktoren protestierenden Bäuerinnen und Bauern der „Wir-haben-es-satt“-Demonstration schilderte sie am Beispiel der Philippinen, einem Land mit der am wenigsten mechanisierten Landwirtschaft in ganz Asien, die Verdrängung landwirtschaftlicher Arbeitsplätze durch Maschinen. „Diese Maschinen sind, wegen ihrer negativen Auswirkungen auf Kleinbauern und vor allem Landlose und Saisonarbeiter, in der lokalen Sprache als ‚Biester‘ weit bekannt“, sagte Neth Daño.

Und mit Blick auf die Digitalisierung erklärte sie: „Wie vor 50 Jahren bei der ‚Grünen Revolution‘ wird die Digitalisierung in der Landwirtschaft aggressiv von oben herab nach unten durchgesetzt. Die digitale Landwirtschaft wird sehr stark von einer Handvoll marktbeherrschender Megakonzerne kontrolliert, die den globalen Markt für Saatgut, Agrarchemikalien, Landmaschinen und Daten dominieren. Die Konsolidierung und die Fusionen in letzten Jahren innerhalb und zwischen den verschiedenen landwirtschaftlichen Sektoren und im vor- und nachgelagerten Bereich sowie mit nicht traditionellen Akteuren, ist zu großen Teilen von der Digitalisierung in der Landwirtschaft und der Gier nach Profiten getrieben. Jede Information auf dem Betrieb muss in Computern erfasst werden, die Big Data verarbeiten, um dann die Entscheidungen auf dem Betrieb zu treffen. Dies entmachtet und marginalisiert die Bäuerinnen und Bauern weiter“.

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, welche weder die Mittel hätten diese Technologien kaufen oder verstehen zu können, würden in der Debatte zur Digitalisierung außerhalb von Lippenbekenntnissen noch nicht einmal berücksichtigt. Dies stehe in starkem Kontrast zu den Prinzipien der Erklärung der Vereinten Nationen „Für die Rechte von Kleinbauern und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten".

„Wir fordern eine umfassende, partizipative und transparente Evaluation des Digitalisierungsprozesses und den damit assoziierten Technologien in der Landwirtschaft auf nationalem und regionalem Level. Wir bitten die Vereinten Nationen eindringlich, einen globalen Mechanismus und Rahmen zur Bewertung von potentiellen Auswirkungen neuer Technologien zu schaffen. Wer kontrolliert und wer wird profitieren, welche Kosten entstehen für Gesellschaft und Umwelt, was sind die Alternativen für diese Technologien - dies sind zentrale Fragen, die von der Gesellschaft, angeführt von den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, welche zurzeit mindestens 70% der Weltbevölkerung ernähren und von den potentiellen Auswirkungen am meisten betroffen sein werden, gestellt werden müssen“, so Neth Daño abschließend.

24.01.2019
Von: FebL

Neth Daño von den Philippinen vor dem Auswärtigen Amt in Berlin mit dem Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Gerog Janßen (li.) und dem Parlamentarischen Staatssekretär Michael Stübgen (re.). Foto: FebL