BDM legt „Sektorstrategie 2030“ für den Milchsektor vor

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter BDM e.V. hat heute in Berlin seine „Sektorstrategie 2030“ vorgestellt und dabei betont, dass man besonderen Wert darauf gelegt habe, eine Strategie zu erarbeiten, die der Bezeichnung Sektorstrategie 2030 auch Rechnung trägt.

„Wenn man nach vorne denkt, braucht man ganz neue Ansätze“, erklärte BDM-Sprecher Hans Foldenauer einleitend. Die Probleme des Sektors lägen ganz eindeutig bei den Milchviehhaltern und seien derart eklatant, dass klar sei, dass eine Sektorstrategie genau da anzusetzen habe. Die Milchviehhalter hätten eine schlechte Marktstellung und trügen beim gegenwärtigen Preisfindungssystem upside down das allgemeine Marktrisiko praktisch allein. Der Strukturwandel bei den Milchviehhaltern gehe überproportional weiter und es finde praktisch kein Wettbewerb um Rohmilch statt. Übergeordnet sei es die fehlende Wirtschaftlichkeit der Milchviehhaltung, für die es Lösungen brauche, um die Milchviehbetriebe nachhaltig weiterentwickeln zu können.

Zielsetzung der Sektorstrategie sei, die Abhängigkeit der Milchviehhalter von Steuergeldern zu reduzieren und mehr Wettbewerb um die Rohmilch zu ermöglichen. „Klar ist, dass grundlegende Veränderungen nicht auf einen Streich umsetzbar sind“, betonte Foldenauer. „Unsere Sektorstrategie enthält daher mehrere Bausteine, die aufeinander aufbauen und schrittweise umgesetzt werden sollen. Selbstverständlich ist uns auch bewusst, dass einige Ideen der Reformierung des Milchvermarktungssystems gerade bei der Molkereiwirtschaft auf wenig Gegenliebe stoßen werden. Das hält uns aber nicht davon ab, auch ambitioniertere Wege aufzuzeigen. Veränderte Märkte erfordern auch ein verändertes Milchmarktsystem“, zeigte sich Foldenauer überzeugt. Und weiter: „Ein Kernelement der Sektorstrategie 2030 des BDM ist die Anerkennung einer Branchenorganisation Milchviehhaltung. Beispiele aus anderen Ländern haben bereits gezeigt, dass sich in Branchenorganisationen, die paritätisch mit mehreren Akteuren der Wertschöpfungskette besetzt sind, die Milchviehhalter immer im Nachteil befinden, wenn es um den Beschluss von Zielsetzungen und Handlungsschritten geht oder um die Definition von Standards.“

BDM-Vorstand Frank Lenz stellte außerdem klar, dass die verbindliche Vorgabe von Verträgen über Menge, Preis, Dauer und Qualitäten dringend erfolgen müsse, da auf freiwilliger Basis keine Schritte in diese Richtung erkennbar seien. Bei der Diskussion um die Reform der GAP dürfe sich nicht alles nur auf die Verteilung von Agrargeldern beschränken. Der Einsatz der Milchviehhalter für Rahmenbedingungen, die den Milchbetrieben eine wirtschaftlich nachhaltige Perspektive für die Zukunft geben, müssten auf politischer Seite Gehör finden. Außerdem erwarte man von der Politik, die Diskussionen um die Sektorstrategie 2030 zu moderieren und schließlich Entscheidungen zu treffen, die zielorientierte und sachgerechte Lösungen als Ergebnis hätten.

Auf der Pressekonferenz gab der BDM noch einmal einen kurzen Überblick über die Marktsituation 2018 und wies dabei insbesondere auf den Marktdruck hin, den die schrittweise, verlustreiche Auslagerung der in der Milchmarktkrise eingelagerten 400.000 Tonnen Milchpulver verursacht hatte.

Ein sehr umfangreicher Abverkauf am 8. Januar, bei dem 80.424 t Magermilchpulver zu einem Mindestpreis von 155,5 €/kg verkauft wurden, habe dazu geführt, dass sich nun der Bestand schlagartig auf 22.000 t Magermilchpulver reduziert hat. Die Auffassung von EU-Agrarkommissar Phil Hogan, dass es ihm gelungen sei, den Großteil der Bestandsmengen loszuwerden, ohne die Preise unter Druck zu setzen, teilt der BDM nicht. Bei einem Mindestpreis von 155,5 €/kg lohne es sich für die Molkereiunternehmen, bei einer aktuell rückläufigen Milchanlieferung und einer zu erwartenden Milchpreissteigerung derart billiges Milchpulver aufzukaufen und so den Anstieg der Milcherzeugerpreise abzubremsen. Es kann nach Ansicht des BDM bei einem derart günstigen Abverkauf unter Ankaufswert auch keine Rede davon sein, dass sich die Interventionsmaßnahmen ausgezahlt haben, wie EU-Agrarkommissar Phil Hogan außerdem angegeben hatte.
„Die Intervention in dieser Größenordnung war letztlich eine Verschwendung von Steuergeld, das man sinnvoller in andere Maßnahmen zum Krisenmanagement investiert hätte“, resümierte BDM-Vorstandsvorsitzender Stefan Mann.

16.01.2019
Von: FebL/PM

Die BDM-Vertreter (v.l.) Stefan Mann, Hans Foldenauer und Frank Lenz auf der Pressekonferenz in Berlin. Foto: BDM