DMK wertet Fett in der Milch auf

Die DMK Group (Deutsches Milchkontor), Deutschlands größte Molkereigenossenschaft, wertet ab dem 1.1.2019 den Inhaltsstoff Fett in der Milch auf und kommt damit einer Forderung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) nach. „Eine Anpassung des Werteverhältnisses von Fett zu Eiweiß ist für eine marktgerechte Bezahlung der Milch erforderlich. Über viele Jahre hatte das Verhältnis von Fett zu Eiweiß 1:2 betragen. Doch die Verwertungssituation am Markt hat sich grundsätzlich verändert. Vor allem, weil der Preis für Milchfett in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Im Jahr 2017 liefen Fett- und Eiweißpreis dann komplett auseinander, Butter erreichte sogar ein Allzeithoch. Deshalb hatten wir die Bezahlung zum 1. Juli dieses Jahres bereits auf 1:1,5 verändert. Ab dem 1. 1. 2019 gilt 1:1“, erklärt DMK-Geschäftsführer Klaus A. Hein in dem hauseigenen Erzeugerinfo „Milchwelt“. Als Grund nennt Hein die „verbesserten Verwertungsmöglichkeiten für Fett“ wie beispielsweise die gesellschaftliche Anerkennung von Fett als Geschmacksträger und eine unter anderem daraus resultierende höhere Nachfrage.

Die DMK Group möchte mit dieser Maßnahme „einerseits die Bemühungen der Milcherzeuger mit überdurchschnittlich hohen Inhaltsstoffen marktgerecht honorieren und andererseits Milcherzeuger motivieren, besonders den Fettgehalt in der Milch über Fütterung und Zucht perspektivisch zu steigern oder zumindest einen weiteren Rückgang zu verhindern“. Aus Molkereisicht seien überdurchschnittliche Inhaltsstoffe wie Fett und Eiweiß für Vermarktung und Transport von Vorteil. In der besseren Verwertung von Fett sieht der DMK-Geschäftsführer einen langfristigen Trend.

Mit der Anpassung des Werteverhältnisses von Fett zu Eiweiß setzt die DMK Group eine Forderung der AbL aus dem Jahr 2017 um und stimmt dabei neben dem Ergebnis auch in der Begründung in vielen Punkten mit der AbL überein. „Milch mit hohen Fettgehalten muss gezielt besser bezahlt werden. Der Markt braucht nicht insgesamt mehr Milchmenge, sondern honoriert seit Monaten speziell das Fett. Die Molkereien aber senden an die Bauern weiterhin das gegenteilige Signal. Sie bewerten den Prozentpunkt Eiweiß in der Rohmilch etwa doppelt so hoch wie den Prozentpunkt Fett. Das widerspricht dem Markt und muss von den Molkereien korrigiert werden“, forderte damals Ottmar Ilchmann, Milchbauer und AbL-Milchexperte. Er kritisierte die auch von den Molkereien verkündete Botschaft vom „ungesunden“ Milchfett und die unter anderem daraus resultierende Absenkung der Vergütung des Fettgehaltes in der Milch durch die Molkereien.

„Die Folge war natürlich, dass die Milcherzeuger versuchten, den Fettgehalt zu senken, einmal durch die Fütterung, aber auch durch Zucht auf geringere Fettgehalte. Das hat mit zum ‚Siegeszug‘ von sehr milchbetonten Rassen und Zuchtlinien mit hoher Milchleistung und geringen Inhaltsstoffen beigetragen, vor allem eben schwarz- und rotbunte Holstein-Frisian. Anderen Rassen, die über Jahrhunderte gerade auf gute Inhaltsstoffe gezüchtet wurden, wie Rotvieh oder Jersey, hat diese Entwicklung sehr geschadet. Heute besinnt man sich auf deren Vorzüge“, so Ilchmann. Die Fettvergütung anzuheben „wäre ein Anreiz, kurzfristig durch die Fütterung und langfristiger durch andere Zuchtrichtungen oder sogar andere Rassen den Fettgehalt wieder zu steigern. Also, liebe Molkereichefs: Gerne auch mal positive Preiseffekte an die Erzeuger weiterreichen“, forderte Ilchmann bereits 2017 nicht nur die DMK Group zum Handeln auf.

Die Milcherzeuger könnten über eine angepasste Futterzusammensetzung durchaus auf solche geänderten Marktsignale aktiv reagieren. „Über höhere Rohfaseranteile wie Heu oder Grassilage und geringere Kraftfuttergaben lässt sich der Fettgehalt der Milch erhöhen“, so der AbL-Milchexperte.