Gelungener Nyéléni-Kongress in Freiburg

Eine andere Agrarpolitik ist nötig - Die Zeit ist reif für Ernährungssouveränität! Unter diesem Motto trafen sich knapp 200 Akteur*innen von alternativen Organisationen und Initiativen aus dem Landwirtschafts- und Ernährungsbereich überwiegend aus Österreich, der Schweiz und Deutschland beim internationalen Kongress für Ernährungssouveränität, um sich über vielfältige Wege für ein demokratisch gestaltetes gerechteres und ökologischeres Ernährungssystem auszutauschen.

Nach der Auftaktveranstaltung mit Gastredner Olivier de Schutter, dem ehemaligen UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, führten sechs Exkursionen in die Region rund um Freiburg zu kleinbäuerlichen Betrieben, zu verschiedenen Modellen Solidarischer Landwirtschaft und Permakultur, zu landwirtschaftlichen Bildungsprojekten, zu einem Biogroßmarkt, zum Kaiserstühler Samengarten und zu Verarbeitungsbetrieben von landwirtschaftlichen Bioprodukten.

Während des Kongresses wurden mit partizipativen Methoden in sechs Akteur*innen-Gruppen, 19 Themengruppen und fünf Regionalgruppen aktuelle Herausforderungen wie die Digitalisierung und die zunehmende Konzernmacht in allen Bereichen des industriellen Ernährungssystems thematisiert, aber auch Potentiale von Ernährungssouveränität beispielsweise bei Inklusion und Integration sowie bei der Bekämpfung des Klimawandels. Alle Teilnehmenden einte das Ziel einer regionalen kleinbäuerlichen Landwirtschaft, gesunder Ernährung und ressourcen- und klimaschonenden Produktions- und Vertriebsmethoden.

Anschließend wurden Formen der weiteren Zusammenarbeit und der Vernetzung debattiert. Die produktive Kongressatmosphäre mündete in einer Reihe von Ergebnissen in den Workshops und in einer gemeinsamen Terminplanung von Veranstaltungen und direkten Aktionen. Das nächste Nyéléni.de-Treffen findet am 20. Januar 2019 im Anschluss an die „Wir haben es satt“-Demo in Berlin statt.

Hintergrund:

Den Namen „Nyéléni“, der Bewegung für Ernährungssouveränität, wählten die 500 Delegierten des ersten internationalen gesamtgesellschaftlichen Treffens für Ernährungssouveränität 2007 in Mali. Der Namen einer legendären malischen Bäuerin symbolisiert die hohe Bedeutung des globalen Südens und der Gendergerechtigkeit als Voraussetzung dafür, dass weltweit Ernährungssouveränität verwirklicht werden kann.

Das Ziel der Menschen in der globalen Bewegung für Ernährungssouveränität ist es, die Gestaltung ihres Lebensmittel- und Agrarsystems selbst in die Hand nehmen. Alle Menschen haben das Recht auf gesunde, regionale Nahrung, die ohne Ausbeutung von Natur und Menschen hergestellt und verteilt wird. Um Ernährungssouveränität umsetzen zu können, braucht es viele Menschen, die an vielen Orten viele kleine Dinge tun.

Für die Sichtbarkeit als gemeinsame Bewegung will Nyéléni.de im deutschsprachigen Raum schon bestehende Initiativen zusammenbringen und viele neue Personen und Initiativen mit einbinden, um ein gemeinsames Verständnis von Ernährungssouveränität zu schaffen und gemeinsam zu erarbeiten, was die Herausforderungen für die Umsetzungen von Ernährungssouveränität in unserer Region sind und mit welchen Strategien und Aktionen diese gemeinsam und solidarisch erreicht werden kann.

14.12.2018
Von: FebL/PM