Humus aufbauen, Klima schützen

Zum ersten Mal hat das Bundeslandwirtschaftsministerium deutschlandweit und repräsentativ eine Inventur der landwirtschaftlichen Böden durchführen lassen. Das beauftrage Thünen-Institut übergab anlässlich des Weltbodentages am 5. Dezember den Abschlussbericht an die Bundesministerin Julia Klöckner. "Die Bodenzustandserhebung hilft uns, den Boden besser zu verstehen. Die Bodenzustandserhebung ist eine Premiere: Daten und Fakten zeigen, wie bedeutend der Agrarboden für den Klimaschutz und für die Klimaanpassung ist – ein Potenzial, das häufig unterschätzt wird. Im Gegensatz zu allen anderen Wirtschaftssektoren können Landnutzung und Forstwirtschaft Kohlenstoff speichern und damit als natürliche Treibhausgassenke fungieren“, erklärt die Ministerin. „Dabei sollte uns bewusst sein, dass der Boden eine nicht erneuerbare Ressource ist. Um die hohe Fruchtbarkeit unserer Böden in Deutschland zu erhalten, müssen wir sie nachhaltig bewirtschaften. Sie sichern unsere Ernährung. Gesunde und fruchtbare Böden können auch dazu beitragen, den Klimawandel aufzuhalten. Deshalb setzt sich mein Ministerium bei der jetzt stattfindenden UN-Klimakonferenz in Polen dafür ein, dass der globale Bodenschutz einen größeren Stellenwert bekommt und wegweisende Ansätze mit Mitteln aus der internationalen Klimafinanzierung auf den Weg gebracht werden", so Klöckner, die die Erhebung auch als Teil der Erarbeitung einer Grünland- und Ackerbaustrategie sieht, die im Herbst 2019 vorgelegt werden soll.

Nach Ansicht des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) bestätigt die erste „Bodenzustandserhebung Landwirtschaft“ die dramatischen Ergebnisse vieler Einzelstudien: Deutschlands Böden verlieren Humus. „Mit dem Humus geht unseren Böden Fruchtbarkeit und auch Widerstandsfähigkeit gegen die Folgen der Klimakrise verloren“, sagt Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des BÖLW und erinnert an das hinter uns liegende Dürrejahr. „Ein echter Teufelskreis. Die Landwirtschaft schadet sich selbst, wenn sie humusschädigend arbeitet. Die Böden können weniger Wasser aufnehmen und speichern.“ Schlimmer noch: Der Kohlenstoff, der im Humus gespeichert ist, entweiche beim Humusabbau als Treibhausgas CO2 in die Atmosphäre. Das heize dem Klimawandel weiter ein, so Löwenstein.

„Bundesministerin Julia Klöckner muss aus den Ergebnissen ihrer Wissenschaftler dringend und umgehend Konsequenzen ziehen!“, so der BÖLW-Vorsitzende. „Frau Klöckner hat es nicht nur bei der UN-Klimaschutzkonferenz in Kattowitz sondern vor allem auch bei den laufenden Verhandlungen zur Reform der EU-Agrarpolitik in der Hand. Damit die Landwirtschaft zum Teil der Lösung der Klimakrise wird, müssen die EU-Agrargelder vor allem auch gezielt für Klimaschutz ausgegeben werden – etwa für wirksame Programme zum Humusaufbau auf dem Acker. Die Bundeslandwirtschaftsministerin muss aktiv werden ehe alle Würfel für die neue Agrarpolitik in Brüssel gefallen sind!“ Bisher sei nicht bekannt, wie das Bundeslandwirtschaftsministerium mehr Klimaschutz mit der Reform der EU-Agrarpolitik erreichen will.

Das System Öko-Landbau fördert Bodenleben und Humusaufbau durch reichhaltige Fruchtfolgen, den Anbau von Kleegras und Düngung mit Mist und Kompost, so Löwenstein. „Nicht nur konventionelle Betriebe, sondern auch viele Bio-Betriebe können mehr tun, um Humus zu mehren. Daher haben wir gemeinsam mit Wissenschaftlern ein Aktionsprogramm Humusaufbau* erarbeitet“, sagt Löwenstein und verwies abschließend auf Gespräche mit dem Deutschen Bauernverband, die das Ziel hätten, gemeinsam ein Maßnahmenpaket vorzuschlagen.

06.12.2018
Von: FebL/PM

Bundesministerin Klöckner bei der Pressekonferenz zur Übergabe des Abschlussberichtes der Bodenzustandserhebung mit Präsidenten des Thünen Instituts Prof. Dr. Folkhard Isermeyer und Prof. Dr. Heinz Flessa vom Institut für Agrarklimaschutz. Foto: BMEL/Thomas Trutschel/photothek.net