Mehr als eine Million Unterschriften für EU-Kommissar

Eine Million EU-Bürger rufen die EU-Kommission dazu auf, das Leid der Schweine in den Mitgliedstaaten zu beenden. Der Deutsche Tierschutzbund und andere Mitgliedsorganisationen der europäischen Dachorganisation Eurogroup for Animals hatten die Stimmen im Rahmen der Kampagne #EndPigPain gesammelt und auf die unerträglichen Lebensbedingungen und illegalen Praktiken in der Schweinehaltung aufmerksam gemacht. Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, nahm die Unterschriften jetzt in Brüssel entgegen.

„Der Erfolg der Kampagne macht deutlich, dass die EU-Bürgerinnen und Bürger nicht mehr bereit sind, weiterhin das Leid der Tiere in der konventionellen Schweinehaltung zu tolerieren“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Es braucht einen tiefgreifenden Wandel: Statt Tiere zurechtzustutzen, damit sie in die Haltungssysteme passen, müssen die Haltungsbedingungen endlich den Tieren angepasst werden.“ Die Tierschützer fordern die nationalen Agrarminister und die Europäische Kommission auf, alle Manipulationen von Schweinen zu beenden, die EU-Anforderungen ordnungsgemäß umzusetzen und mehr Tierschutz schnellstmöglich zu realisieren - auch durch gezielte Subventionierung von tiergerechten Stallsystemen.

Die meisten EU-Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, lassen die gesetzlichen Mindeststandards für den Schutz von Schweinen nach Ansicht des Tierschutzbundes außer Acht. So würden Ferkeln routinemäßig die Schwänze kupiert und die Zähne abgeschliffen – obwohl das routinemäßige Durchführen beider Eingriffe durch die europäische Gesetzgebung seit Langem verboten ist. Die Kastration männlicher Ferkel ohne Betäubung ist in der EU nach wie vor legal und wird laut Tierschutzbund an über 70 Millionen männlichen Ferkeln pro Jahr durchgeführt - trotz zahlreicher wissenschaftlicher Belege, dass dieses Verfahren extrem schmerzhaft sei und obwohl Alternativen existierten. In Deutschland solle nun auch noch das Verbot, das die betäubungslose Kastration eigentlich ab 1.1.2019 verbietet, um weitere zwei Jahre hinausgezögert werden.

Ein weiterer Missstand, den der Deutsche Tierschutzbund in Deutschland anprangert, ist die Kastenstandhaltung von Sauen. Die Tiere lebten einen Großteil ihres Lebens eingepfercht in engen Kastenständen – ohne Möglichkeit, sich artgemäß zu bewegen. Und das, obwohl das Bundesverwaltungsgericht Ende 2016 klar gemacht hätte, dass die gängige Kastenstandhaltung im Deckzentrum als rechtswidrig einzustufen ist.

22.11.2018
Von: FebL/PM

Eine Million Unterschriften gegen das Schweine-Leid für EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis. Foto: Tierschutzbund