Milchbauern befürchten Rückgang der Weidehaltung durch den Wolf

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) fordert die Politik auf, zügig das EU-Recht anzupassen, um die Entnahme bzw. Tötung des Wolfs, der durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie streng geschützt sei, zu erleichtern. „Die Wolfspopulation ist in ganz Deutschland in den vergangenen Jahren so weit angestiegen, dass sich die Konflikte zwischen landwirtschaftlichen Tierhaltern und dem streng geschützten Wolf weiter deutlich verschärft haben“, heißt es beim BDM. Insbesondere in Grünlandregionen wie Schleswig-Holstein, die stark von Weidehaltung geprägt sind, treten immer häufiger Risse durch Wölfe auf.

„Die Rasanz, mit der die Wolfspopulation wächst und die Lernfähigkeit und mangelnde Scheu der Tiere stellen uns Weidehalter, aber zunehmend auch Kollegen mit Offenstallhaltung vor große Probleme“, erklärt Kirsten Wosnitza, Sprecherin des BDM in Schleswig-Holstein, anlässlich der Diskussion zur Wolfsproblematik in Schleswig-Holstein. Mittlerweile würden nicht nur Schafe, sondern auch Jungrinder gerissen. „Wenn wir nicht ein wirksames Wolfsmanagement auf den Weg bringen, das auch die Entnahme des Wolfs vorsieht, werden sich viele Weidehalter gezwungen sehen, ihre Kühe im Stall zu lassen“, befürchtet Kirsten Wosnitza.

„Wir sehen zwei große Probleme mit dem vermehrten Vorkommen des Wolfes in unseren schleswig-holsteinischen Grünlandregionen. Zum einen müssten auf jedem Betrieb kilometerlange Schutzzäune sowohl errichtet als auch gepflegt und von Bewuchs freigehalten werden. Dies ist ein enormer zusätzlicher Arbeitsaufwand, den die ohnehin schon ausgelasteten Bauern schlichtweg nicht zusätzlich leisten können“ so Wosnitza. Es komme hinzu, dass diese Schutzzäune sehr hoch sein müssten und auch sehr tief verankert werden müssten, um überhaupt wirksam zu sein. „Der Wolf lernt ständig hinzu und gräbt sich bereits tief unter Zäunen durch. Auch aus arbeitstechnischen Gründen ist es faktisch unmöglich, um alle Tierhaltungen wirksame Schutzzäune zu ziehen“, beschreibt Kirsten Wosnitza die Situation auf den Betrieben. Noch schlimmer aber sei die Gefahr, die von gehetzten Tieren ausgehe, die panisch durch die Zäune brechen.

„Es geht uns um das Leben und die Gesundheit unserer Tiere - das ist auch mit Entschädigungszahlungen nicht auszugleichen“, stellt Wosnitza weiter klar. „Es geht ja nicht nur um das gerissene Tier selbst. Wenn ganze Kuhherden in Panik fliehen, verursacht dies an Gräben und Zäunen häufig schwere Verletzungen, die mittelbare Folgen des Wolfsangriffs sind. Das aber bedeutet z. T. erhebliche Belastungen für die Milchviehhalter, die bisher nicht ausgeglichen werden. Dazu kommt ein hohes Haftungsrisiko für die Tierhalter, wenn Herden durch Zäune brechen und beispielsweise den Straßenverkehr gefährden.“

Die Hoffnung, dass durch Schutzzäune oder den Einsatz von Herdenschutzhunden eine friedliche Koexistenz von Wolf und Weide Vieh möglich ist, teilen die Milchviehhalter nicht. In anderen Bundesländern hat es bereits nachweislich Übergriffe auf vorbildlich geschützte Herden gegeben.

„Wir Milchviehhalter brauchen daher ein schnelles und konsequentes Vorgehen und tatsächlich wirksames Wolfsmanagement, damit im nächsten Frühjahr nicht viele Weidehalter vor der schweren Entscheidung stehen, ihre Kühe lieber im Stall zu lassen“, fordert Wosnitza von der Politik. „Die Weidehaltung und Offenstallhaltung muss Vorrang vor einem zu starken Wolfsschutz haben.“

17.11.2018
Von: FebL/PM

Kirsten Wosnitza auf der "Wir-haben-es-satt"-Demo 2018 in Berlin.