Staatliche Tierwohlkennzeichnung für ISN ein Marketing-Gag

Scharfe Kritik übt die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V. (ISN) an den Plänen von Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner (CDU) zur staatlichen Tierwohlkennzeichnung. Nach einem Treffen der Ministerin zum Tierwohlkennzeichen mit Vertretern des Verbandes der Fleischwirtschaft und dem Deutschen Raiffeisenverband hatte die Ministerin verkündet "Ich bin mir mit der Fleischwirtschaft zum Tierwohlkennzeichen einig" und eine positive Bilanz des Treffens gezogen.

"Das war ein für alle Seiten erfreuliches und konstruktives Gespräch zum geplanten Tierwohlkennzeichen. Wir haben eine weitere Etappe auf dem Weg zu einem erfolgreichen gemeinsamen Tierwohlkennzeichen genommen. Wir sind uns einig darüber, dass die Freiwilligkeit des Kennzeichens der richtige Weg ist für die Akzeptanz bei den Landwirten und bei den Verbrauchern. Damit schaffen wir für die Landwirte Perspektiven. Wir wollen eine hohe Marktdurchdringung erreichen. Gleichzeitig lassen wir den Verbrauchern die Wahl, sich an der Ladentheke für Fleisch zu entscheiden, das nach höheren als den gesetzlichen Standards erzeugt wurde. Der Verbraucher kann dann entscheiden, mehr für Tierwohl auszugeben", so Klöckner. Die Eingangsstufe des staatlichen, freiwilligen Tierwohlkennzeichens werde mit höheren als den gesetzlich vorgesehenen Standards versehen. Das Ziel sei, dass ab Frühjahr 2020 erste Produkte in den Märkten verfügbar sind.

„Eine bizarre Wasserstandsmeldung zu einem Kennzeichnungssystem, das mit den Schweinehaltern nicht ausdiskutiert wurde. Die deutsche Herkunft scheint dabei egal zu sein. Das ist ein bitterer und schlechter Marketing-Gag auf dem Rücken der ohnehin von Sorgen geplagten Schweinehalter“, heißt es bei der ISN.

„Während die Ministerin sich mit Vertretern der Fleischwirtschaft einig darüber zu sein scheint, dass die Freiwilligkeit des Kennzeichens der richtige Weg ist für die Akzeptanz bei den Landwirten und bei den Verbrauchern, lässt sie die Frage offen, wann sie endlich diese elementaren Fragen und Eckdaten mit den zentralen Betroffenen - nämlich der deutschen Landwirtschaft -ausdiskutiert. Dies ist bislang nicht geschehen“, kritisiert die ISN.

In der Pressemitteilung der Ministerin heiße es zwar, dass man mit einem freiwilligen Tierwohllabel Perspektiven für Landwirte schafft. Offen bleibe aber, welche Perspektiven angesichts der bekannten ungelösten K-Fragen (Kastration, Kupieren, Kastenstand) damit real geschaffen werden und für welche Landwirte sie gelten könnten.

Um Perspektiven zu schaffen, bräuchte es endlich eine umfassende und mit Betroffenen entwickelte Nutztierstrategie, die für hiesige Tierhalter leistbare und genehmigungsrechtlich umsetzbare Kriterien definiert. „Dazu gehört zwangsläufig die verpflichtende Haltungs- und Herkunftskennzeichnung für alle Schweinefleischprodukte“, so die ISN.

Als Fazit schreibt die ISN: „Während die Ministerin weitgehend tatenlos zusieht, wie den deutschen Schweinehaltern hierzulande durch immer mehr und immer höhere gesetzliche Auflagen und somit durch immer höhere Produktionskosten die Existenzgrundlage entzogen wird, sorgt sie zeitgleich dafür, dass auf Seiten der Fleischnachfrager der Preis für Schweinefleisch - egal welcher Herkunft- garantiert niedrig bleibt. Das ist ein echt bitterer und schlechter Marketing-Gag!“

03.11.2018
Von: FebL/PM

Das Trefffen der Bundeslandwirtschaftsministerin mit der Fleischbranche wurde in Text und Bild auch per Tweed verkündet. Foto: Twitter@BMEL