Demokratie statt Konzernmacht

Anlässlich des heute vom Bayer-Konzern verkündeten Abschlusses der Monsanto-Übernahme fordert die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) die Stärkung konzernunabhängigen Saatguts und die Regulierung neuer Gentechnik-Verfahren. „Jetzt sind wir auch als Bauern und Verbraucher gefragt, um konzernunabhängiges Saatgut zu erhalten und zu stärken. Wir haben die Wahl. Landwirtschaft geht auch gut ohne Bayer“, so Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer AbL zur heutigen Übernahme Monsantos durch Bayer. Janßen weiter: „Bayer katapultiert sich auf die Nummer eins der Agrargiganten mit einem Marktanteil von rund 27 Prozent bei Saatgut und Pflanzenschutzmitteln sowie 25 Prozent bei den bisher erteilten Patenten auf Pflanzen. Außerdem konzentriert sich auf den neuen Bayer-Konzern der Großteil der digitalen Agrartechnik. Für Bäuerinnen und Bauern drohen Preisdiktate, eine weitere Einengung bei der Sortenauswahl, mehr Abhängigkeiten und eine Verschärfung der Patentsituation. Es wird noch weniger Wettbewerb geben und mehr konzerngesteuerte Innovationen. All das hätte kartellrechtlich und politisch verhindert werden müssen. Die Bedenken hat die AbL als Drittpartei im Fusionsverfahren in Brüssel eingebracht. Zumindest muss Bayer mehr Geschäftsbereiche abgeben als ursprünglich geplant“, erklärt Janßen.

Um der wachsenden Konzernmacht auf dem Saatgutmarkt zu begegnen, fordert die AbL von der Bundesregierung, nun einen staatlichen Saatgutfonds einzurichten, der transparent und demokratisch ökologische und konventionelle Züchtungsprojekte fördert, die samenfestes, nachbaufähiges, gentechnikfreies und widerstandsfähiges Saatgut züchten, das Ressourcen schont, vielfältig und anpassungsfähig ist. Zudem brauche es eine Verschärfung des europäischen und deutschen Wettbewerbsrechts, um weitere Mega-Fusionen zu verhindern und Missbrauch von Marktmacht wirksam einzudämmen. „Konzentrationsfördernde Praktiken wie die Patentierung von Pflanzen und Tieren oder die Nicht-Regulierung von neuen Gentechnik-Verfahren müssen gestoppt werden“, erwartet Janßen. Bundesregierung und EU-Kommission ruft die AbL dazu auf, die neuen Gen­tech­nik-Verfahren als Gentechnik einzustufen und gemäß der EU-Gentechnik-Regulierung einer Risikoprüfung, einem Zulassungsprozess, der verpflich­tenden Kennzeichnung, Rückverfolgbarkeit inklusive Nachweisverfahren und Monitoring zu unterwerfen. „Den Versuchen der Konzerne, das Vorsorgeprinzip, Risikobe­wer­tung und Wahlfreiheit zu torpe­die­ren, muss Einhalt geboten werden“, so Janßen.

Annemarie Volling, Gentechnik-Expertin der AbL, nimmt auch Bayer-Chef Werner Baumann in die Verant­wor­tung: „Bayer muss die Patentierung von Pflanzen stoppen, seine bestehenden Patente widerru­fen, Patentstreitigkeiten beispielsweise in Brasilien und Indien einstellen und das genetische Material der Privatgenbank von Bayer-Monsanto den Züchtern und Bauern frei zur Verfügung stellen. Wenn Herr Baumann eine Partnerschaft mit den Bauern wirklich ernst meint, muss Bayer die Farmer in den USA entschädigen, deren Ernten durch das Herbizid Dicamba vernichtet worden sind, und die gentechnisch veränderten Dicamba-resistenten Sorten aus dem Verkehr ziehen. Zudem muss der Konzern die Entscheidungshoheit und auch digitalen Datenhoheit der Bäuerinnen und Bauern gewährleisten. Es gibt also viel zu tun für den neuen Mega-Konzern“, kommentiert Volling.

Wie sich Bayer die Zukunft vorstellt, verkündete die Konzernspitze in ihrer heutigen Pressemitteilung. „Heute ist ein guter Tag: Für unsere Kunden, die Landwirte, denen wir noch besser helfen können, ihre Ernten zu sichern und ihre Ernteerträge zu steigern. Und für unsere Aktionäre, weil diese Übernahme ein sehr hohes Wertschaffungspotenzial hat“, sagte der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Baumann. Genauso wichtig wie die Finanzziele seien ihm die Nachhaltigkeitsziele. Man wolle der gestiegenen Verantwortung gerecht werden und den Dialog mit der Gesellschaft vertiefen, so Baumann weiter.
„Der heutige Abschluss ist ein wichtiger Meilenstein bei Verwirklichung der Vision, ein führendes Agrarunternehmen zu schaffen, das Landwirte dabei unterstützt, produktiver und nachhaltiger zu wirtschaften – zum Wohle der Welt und der Verbraucher“, meint auch der scheidende Monsanto-CEO Hugh Grant. „Ich bin stolz auf den Weg, den wir als Monsanto geebnet haben, und freue mich darauf, dass das kombinierte Unternehmen dabei helfen wird, die moderne Landwirtschaft voranzubringen.“ Bereits zuvor hatte Bayer angekündigt, dabei zukünftig auf die Verwendung des Namens „Monsanto“ verzichten zu wollen. Zu schlecht ist das Image.

Und an anderer Stelle äußerte Baumann: „Die Übernahme von Monsanto ist ein strategischer Meilenstein, um unser Portfolio führender Geschäfte in den Bereichen Gesundheit und Ernährung zu stärken. Wir werden unser aktuelles Agrargeschäft verdoppeln – mit einer hervorragendem Kombination von Talent, Technologien und Kundennähe. Als künftig führendes Unternehmen in diesem Bereich werden wir bei Bayer auch eine besondere Verantwortung tragen. Und wir werden alles tun, um dieser Verantwortung gerecht zu werden. Wir werden die höchsten ethischen, ökologischen und sozialen Standards einhalten, den Austausch mit allen Stakeholdern suchen und zu einer besseren und nachhaltigeren Landwirtschaft beitragen.“

Für Maria Heubuch, Mitglied des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung und des Pestizid-Sonderausschuss des EU-Parlaments, zeigt die Genehmigung dieser Fusion, dass es bei derartigen künftigen Entscheidungen nicht allein um Wettbewerb gehen darf. „Auch die Auswirkungen auf Umwelt, Artenvielfalt, Gesundheit und Ernährung sowie für die betroffenen Bäuerinnen und Bauern müssen geprüft werden.“

07.06.2018
Von: FebL/PM AbL

Dass es auch ohne Bayer gehen kann, ist für die AbL "Ährensache".